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Youn Sun Nah - ©Sung Yull Nah
Youn Sun Nah - ©Sung Yull Nah
Youn Sun Nah - ©Sung Yull Nah
Youn Sun Nah - ©Sung Yull Nah

Produktinformationen

Besetzung

Youn Sun Nah / vocals, kalimba, music box, kazoo
Ulf Wakenius / guitars
Lars Danielsson / acoustic bass, cello
Xavier Desandre-Navarre / percussion
Special guest on track 11: Roland Brival / narration


Aufnahmedetails

Produced by Axel Matignon & Lars Danielsson
Executive Producer: Jae Jin In (HUB MUSIC. Inc.)
Recorded at Nilento Studios, Gothenburg, Sweden, April 7-9
Mixed May 3-5, and mastered June 17, 2010 by Lars Nilsson


Bei ihrem Debüt 2009 im Münchener Jazzclub Unterfahrt erhob sich der Saal entgegen jeder dortigen Gepflogenheit schon zur Pause zu standing ovations; die Süddeutsche Zeitung nannte sie „die Entdeckung der Saison“ und befand, es sei „einem im Jazzgesang lange nichts Schillernderes, Interessanteres und Virtuoseres untergekommen“; sie gewann den Publikumspreis des BMW Welt Jazz Awards und eroberte die Herzen der Jazzfans auf ausgedehnter JazzToday-Tour: Selten hat eine Sängerin Deutschland so im Sturm erobert wie die Koreanerin Youn Sun Nah mit ihrem ACT-Erstling „Voyage“ (ACT 9019-2).

Was Koreaner und Franzosen schon lange wissen - „Voyage“ kam in Frankreich (ihrem Zweitwohnsitz) in die Top Ten der Jazzcharts und erhielt den begehrten „CHOC“ als CD des Monats (Jazzman) - ist nun hier wie weltweit nicht mehr zu übersehen: Mit Youn Sun Nah hat jemand mit Star-Qualität die Musikszene betreten, jemand, der auf einzigartige Weise Brücken schlagen kann. Brücken zwischen Asien und Europa, zwischen Jazz, Chanson und Pop, zwischen höchster technischer Präzision und extremer musikalischer Freiheit, zwischen Minimalismus und Überschwang, zwischen Bekanntem und Unbekanntem.

War schon auf „Voyage“ das Spektrum dieser Brückenschläge enorm, so sprengt der Facettenreichtum ihrer musikalischen Vorlieben nun alle Grenzen, weswegen das neue Album auch demonstrativ „Same Girl“ heißt: Es ist tatsächlich dasselbe „Mädchen“, das hier wieder auf die Reise geht zu auf höchst eigenwillige und unverwechselbare Weise interpretierten Songs, die jeden stilistischen Käfig sprengen. „Ich wollte nicht auf einem spezielles Repertoire festgelegt sein, sondern alle möglichen Momente meines Lebens reflektieren,“ erklärt sie. „Deswegen ist das Album atmosphärisch noch vielfältiger als „Voyage“, wie ich finde. Und es hat auf gewisse Weise mehr Tiefe, porträtiert noch mehr Aspekte meiner Persönlichkeit.“

So ist mit „My Favorite Things“ aus der Feder von Oscar Hammerstein und Richard Rodgers das „Great American Songbook“ vertreten – allerdings auf unerhörte Weise, trägt Youn Sun Nah das Stück doch genau wie Randy Newmans „Same Girl“ - das hier nicht als Titeltrack verstanden wird - nur von sich selbst auf der Kalimba begleitet wie einen asiatischen Meditationsmonolog vor. Wie eine humorvolle Variation oder auch eine rhythmische Antithese der „Favorite Things“ klingt dann Nahs eigene Komposition „Pancake“, das ihr beim von Hunger begleiteten Warten auf einen Auftritt einfiel und das sie als Vehikel für ihre Musiker komponierte. Auch ein koreanisches Volkslied („Kangwondo Arirang“) und eine energiegeladene Komposition von Ulf Wakenius („Breakfast In Bagdad“) dienen ihr zur Demonstration ihrer nahezu unbeschränkten stimmlichen Ausdrucksmöglichkeiten, die von exaktem lautmalerischen Unisono-Gesang zu einem Instrument über expressive Explosionen bis zum hauchzarten und filigran phrasierten Pianissimo reichen. Mit Sergio Mendes‘ „Song Of No Regrets“, Philippe Sardes „La Chanson d’Helene“ und nicht zuletzt dem auf seinen lyrischen Gehalt reduzierten „Enter Sandman“ der Heavy-Metal-Band Metallica unterwirft sie völlig unterschiedliche Regionen der Pop-Musik ihrer Persönlichkeit.

Doch nicht nur zu Stücken der besten und berühmtesten Songwriter schafft Youn Sun Nah neue Zugänge, sie wartet auch mit echten Raritäten auf. Das als Blues angelegte „Moondog“ etwa stammt vom britischen Schlagzeuger Terry Cox, der Mitglied von Folkrock-Bands wie The Pentangle war, für David Bowie und Elton John, aber auch von 1974 bis 1982 für Charles Aznavour trommelte. Dem Vergessen entreißt sie auch den 1999 früh verstorbenen amerikanischen Folksänger Jackson C. Frank, dessen herausragendes, aber von Krankheit und psychischen Problemen zerstörtes, nur auf einem einzigen Album dokumentiertes Talent als Texter sie mit “My Name Is Carnival” wieder ins Bewusstsein ruft.