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Vladyslav Sendecki
Solo Piano At Schloss Elmau

Vladyslav Sendecki - ©ACT / Steven Haberland
Vladyslav Sendecki - ©ACT / Steven Haberland
Vladyslav Sendecki - ©ACT / Steven Haberland
Vladyslav Sendecki - ©ACT / Steven Haberland

Produktinformationen

Besetzung

Vladyslav Sendecki / piano


Aufnahmedetails

Music composed and arranged by Vladyslav Sendecki unless otherwise noted
Recorded at Schloss Elmau by Adrian von Ripka, January 27-28, 2010
Mastered by Adrian von Ripka, February 2010
Produced by Siegfried Loch

Coverart by Peter Krüll, Design by Siegfried Loch


Schloss Elmau ist nicht nur ein prächtiges Gebäude inmitten der herrlichen Alpenidylle Oberbayerns. Es ist ebenfalls ein Aushängeschild für erstklassige Musik. Weltstars wie Brad Mehldau oder Gidon Kremer kommen regelmäßig dorthin, um Kraft und Kreativität zu sammeln. Esbjörn Svensson nannte die Pianisten-Hochburg Elmau sein „favorite hideaway“. Die jüngste musikalische Sternstunde feierten Michael Wollny und Joachim Kühn („Live at Schloss Elmau“, ACT 9758-2) in einem Duokonzert, das zur CD des Jahres in Frankreich gekürt wurde (CHOC de l'anee 2009).

Es ist genau dieser besondere Ort, den sich auch Vladyslav Sendecki für seine Soloklavier-Einspielung ausgesucht hat. Denn für sein ACT-Debüt wollte Sendecki nicht in ein steriles Studio, sondern eine lebendige und persönliche Atmosphäre zum Musizieren spüren. Ein Gastspiel auf Schloss Elmau kam da zur rechten Zeit: „Ich gehe auf die Bühne und spiele. Ich bin alles, was ich zu geben habe“, sagt Sendecki. Folgerichtig finden sich auf dem Album 7 Livemitschnitte seines Konzerts vom 28. Januar 2010 wieder. Die weiteren 3 Stücke wurden nur wenige Stunden zuvor, während einer zusätzlichen Aufnahmesession, eingespielt.

Auch wenn die New Yorker Village Voice Sendecki zu „einem der fünf besten Jazzpianisten der Welt“ ausruft, vergingen Jahre der Identitätssuche und Standortbestimmung, bevor er als Künstler zu dem wurde, was er heute ist: 1955 im polnischen Gorlice geboren lernte Sendecki zunächst klassisches Klavier ganz in der großen Tradition seines Heimatlandes. Erst die Platten westlicher Größen, die am Frederic-Chopin-Konservatorium und an der Musikakademie Krakau unter der Hand kursierten, brachten ihn zum Jazz. 1981 in die Schweiz emigriert, startete Sendecki eine internationale Karriere, die ihn auch oft in die USA führte. Er spielte unter anderem mit Klaus Doldingers Passport, mit Billy Cobham, Michael und Randy Brecker, mit Bireli Lagrene, Jaco Pastorius, Joe Henderson, Lenny White und Charlie Mariano. Doch auch die Rolle als geschätzter „musicians musician“ konnte ihn auf Dauer nicht ausfüllen. Die Zweifel wuchsen, „Spielball der Dämonen“ zu sein, nur Erwartungen anderer zu erfüllen, nicht das geben zu dürfen, „was ich bin“. Jahrelang spielte er kaum noch, konzentrierte sich auf Konzeptionelles und Producer-Tätigkeiten, bis er - nach Hamburg übergesiedelt - 1996 Pianist der renommierten Solisten-Bigband des NDRs wurde. Seither hat sich Sendecki neu definiert. Schon sein Solo-Album „Piano“ (2008) belegte, was die Elmau-Aufnahme endgültig beweist: Mit Vladislav Sendecki hat ein unverwechselbarer Freigeist die Szene betreten, der die Grenzen zwischen Klassik und Jazz auflöst.

Das demonstriert zum Beispiel die mit „Evening Psalm" benannte Hommage an den großen Geiger und Landsmann Zbigniew Seifert, bearbeitet zu dessen 30. Todestag. Mit der Leichtigkeit des klassischen Konzertpianisten und der Inspiration eines großen Jazzimprovisators meistert Sendecki pianistische Höchstschwierigkeiten wie avantgardistische Herausforderungen. Die vor langem verlassene Heimat übt hörbaren Einfluss auf viele Stücke aus, nicht nur im seiner Frau gewidmeten polnischen Volkslied, das er in „Mein Mädchen“ übersetzt. „Ich stamme aus der Nähe der Karpaten. Die eigene Identität lässt sich nicht verleugnen.“ So hört man auf „Sledge Ride“ eine winterliche Schlittenfahrt, im „Karpaten-Blues“ die schillernde Chromatik der osteuropäischen Musiktradition oder im, auch schon von Chopin bearbeiteten „Wiegenlied“, die bittersüße Färbung von Kindheitserinnerungen.

Fragt man ihn, was sich hinter dem Titel „Lily Of The Valley“ verbirgt, lacht Sendecki: „Es ist das Maiglöckchen, und das Stück hat mein Bruder, ein ganz wunderbarer romantischer Komponist, so komponiert, dass es seinen Duft zum Klingen bringt.“

In denkbar vielen Farben schimmert sein pianistisches Traumland: Wo man für einen Moment an Grieg denkt, an Schumann oder gar Liszt, dann wieder an John McLaughlin oder an Bill Evans, so wird man schon im nächsten Augenblick gewahr, dass es sich immer ganz und gar um Sendecki handelt. Was an Sendeckis Solo-Einspielung vor allem fesselt, ist die grenzenlose Hingabe an den Moment, an die in ihm schlummernde Musik. Es ist die Freiheit des Individuums, die hier ganz harmonisch zur allgemeinen Form findet.