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"neue Musik, neue Richtung,
eine neue Identität“ (V. Peirani)

Produktinformationen

Besetzung

Vincent Peirani / accordion, accordina & voice
Emile Parisien / soprano saxophone
Tony Paeleman / fender rhodes & keys
Julien Herné / electric bass & electric guitar
Yoann Serra / drums
Valentin Liechti / electronics on 12


Produced by Vincent Peirani

Recorded by Boris Darley at ICP Studios,
Brussels, March 20-23, 2017
Assistant: Paul Edouard Laurendeau
Mixed by Boris Darley and Vincent Peirani
at Studio Holy Oak
Mastering by Klaus Scheuermann

Half Speed Lacquer Disc Cutting by Rainer Maillard at Emil Berliner Studios Berlin

Cover art by Olafur Eliasson

Vincent Peirani ist ein Jazzer. Weltmusik, Klassik, Chanson oder Pop gehen ihm ebenso leicht von der Hand. Doch wer sein neues Album hört, wird erkennen: Peirani hat das Akkordeon zu einem veritablen Rock’n’Roll-Instrument gemacht. Auf „Night Walker“ brilliert der Franzose mit seinem perfekt eingespielten Quintett, furiosen Led-Zeppelin-Covers und einem Sound, der genreübergreifend seinesgleichen sucht.

Der Akkordeonist und Komponist ist nicht erst seit seinem Debüt als Leader, „Thrill Box“ aus dem Jahre 2012, ein europaweit gefeierter Instrumentalist. Schon als Jugendlicher gewann Peirani Preise in seiner Heimat, später den Titel „Künstler des Jahres“ des französischen „Jazz Magazine“. Gleich vier Mal wurde ihm der ECHO Jazz verliehen, zuletzt 2016 für sein hochgelobtes Duo-Album „Tandem“ mit dem Pianisten Michael Wollny. Anfang 2015 veröffentlichte das „Jahrhunderttalent“ (Fono Forum) sein erstes Werk mit einem neuen Quintett: „Living Being“ war gleichzeitig der Titel des Albums wie der Name seiner Band. Die Mitglieder: Emile Parisien, Saxophon, Tony Paeleman, Keyboards, Julien Herné, E-Bass & Gitarre, Yoann Serra, Drums. „Wir waren Freunde, lange bevor wir angefangen haben, miteinander zu spielen“, sagt der 1980 in Nizza geborene Peirani. „Diese Band ist eine Familienangelegenheit.“

Diese besondere Familie hat nun ein beachtenswertes zweites Album aufgenommen: „Living Being II – Night Walker“. „Schon bei Led Zeppelin gab es diese Nummerierung: ‚Led Zeppelin I‘, ‚Led Zeppelin II‘ und so weiter. Das hat mir gefallen. Außerdem bedeutet dieses Album eine Art Upgrade: neue Musik, neue Richtung, eine neue Identität.“

In nur vier Tagen im März 2017 in Brüssel aufgenommen, zeigt „Night Walker“ das Quintett noch kraftvoller, noch konsequenter bei der Kanalisierung ihrer Energien. Für den Mix mit Toningenieur Boris Darley (Peirani: „Es ging zu wie in einem musikalischen Laboratorium.“) ließ man sich mehrere Monate Zeit und experimentierte, bis der richtige Sound gefunden war. Die Kombination der Instrumente ist, sowohl im Jazz als auch im Pop, einmalig. Alle Melodieinstrumente sind bei Living Being gleichberechtigt: Tony Paelemans satte, mal erdenschwer dräuende, mal federleicht jubilierende Fender Rhodes; Emile Parisiens helles Sopransaxophon, für das er sein Tenorsaxophon diesmal ganz im Koffer ließ, und natürlich das wundersam vielfältige Akkordeon des Leaders, das sich, anders als beim Vorgänger, kaum jemals in den Vordergrund drängt.

„Dieses Album ist mehr ein kollektiver Trip“, erläutert Peirani. „Das Akkordeon steht noch weniger im Mittelpunkt. Erst wenn du es wegnehmen würdest, würdest du merken, wieviel plötzlich fehlt.“ Die Kunst des Vincent Peirani ist es, rhythmisch und songdienlich zu spielen, und jedem Stück Schichten hinzuzufügen, wie andere es nur mit einer Armada von Keyboards vermögen würden. Die Melancholie des Chanson, die Erhabenheit der Klassik, die schiere Kraft des Rock – Peirani vereint sie durch seine Virtuosität.

Sachte tastet sich Living Being in das Album hinein; das durch Nancy Sinatra unsterblich gemachte „Bang Bang“ von Sonny Bono spielt das Quintett so zartfühlend wie überhaupt nur möglich. Das Cover verdeutlicht, wie sehr das Sopransaxophon von Peiranis engstem musikalischen Partner Emile Parisien diesen zwölf Stücken neue Leichtigkeit verleiht.

Auf dem zunächst lieblich anmutenden „Enzo“ spielt Peirani die der Melodica ähnliche Accordina, dazu ist Bassist Herné erstmals an der Gitarre zu hören. Peiranis wuchtige Version der Arie „What Power Art Thou“ des englischen Barockkomponisten Henry Purcell, aus der Oper „King Arthur“ von 1691, bewahrt die triumphale Kraft des Originals, und könnte doch kaum weiter davon entfernt sein.

Dreh- und Angelpunkt des Albums ist das dreiteilige „Kashmir To Heaven“, das sich auf die wohl bekanntesten Songs der legendären Hard-Rock-Band Led Zeppelin bezieht. Unfassbar, mit welcher Energie die Band diese Mini-Suite behutsam aufbaut, und dabei dem Vibe der Originale mit einer gänzlich anderen Instrumentierung treu bleibt – ganz ohne Gitarre. Peirani erklärt die Cover-Wahl mit eigenen Vorlieben: „Vor vielen Jahren habe ich ein Soloprojekt gehabt, bei dem ich die Songs von Deep Purple und Rage Against The Machine vermischte. Die Songs der Siebziger haben mich schon immer beschäftigt, und jeder in der Band liebt Led Zeppelin. In ihren Songs ist so viel Material enthalten. Was vor allem bedeutet: Futter für uns!“

Wenn Vincent Peirani sagt, seine Band wolle ein „Chamber Rock Music Orchestra“ sein, dann mag das nach „Rock meets Classic“-Bombast klingen. Doch dieses Living Being, dieses kraftvolle Biest von einer Jazzband, ist genau das Gegenteil davon. Ein geschmeidiges Tierchen, das sich zurückhaltend elegant auf jedem Terrain bewegt, ohne jemals vom Pfad abzukommen, aber jederzeit zu einem muskulösen Karnivoren heranzuwachsen vermag. „Living Being II – Night Walker“ ist der Beweis – das mächtigste zarte Album des Jahres.