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Various Artists
Magic Nordic Voices

Magic Nordic Voices
Magic Nordic Voices

Produktinformationen

Aufnahmedetails

Mastered by Klaus Scheuermann
Compilation Produced by Siegfried Loch


Von der großen Tradition der Kirchenchöre und Spielmannszüge bis zur exzellenten Ausbildung an den Musikhochschulen – es gibt gute Gründe, warum das bevölkerungsarme Skandinavien so viele Jazzsängerinnen hervorbringt. Und das schon seit den 60ern. Damals musste sich allerdings kräftig verbiegen, wer auf dem Kontinent erfolgreich sein wollte: Gitte Haenning, Wencke Myrrhe, Siw Malmquist, Bibi Johns oder Alice Babs – zu Hause seriöse Jazzsängerinnen wurden sie in Deutschland Schlagerstars. Andere wie Karin Krog, Lill Lindfors oder Monica Zetterlund blieben ganz beim Jazz und wurden Teil der erster Blüte im hohen Norden, verzichteten dafür aber auf den kommerziellen Durchbruch.
Heute haben es skandinavische Sängerinnen nicht mehr nötig, substantielle Kompromisse einzugehen. Die Renaissance des Jazzgesangs hat auch die Sängerinnen aus Dänemark, Schweden und Norwegen erfasst, ja sie geht zu einem guten Teil von ihnen aus. Diese neue Generation ist welt- und stiloffener, sie ist mit dem Grand Prix d’Eurovision und MTV aufgewachsen, mit Abba und Björk, mit Chanson, Funk, HipHop oder Drum’n’Bass. Viele von ihnen, darunter Silje Nergaard, Rebekka Bakken oder Rigmor Gustafsson, sind nicht nur aus der Ferne vom melting pot Amerika beeinflusst, sie haben prägende Jahre in den USA verbracht.
Neben US-Stars wie Diana Krall oder Norah Jones stehen denn auch die skandinavischen Sängerinnen hoch im Kurs. Wozu ACT sein Scherflein beigetragen hat. Siggi Loch, dessen Affinität zur nordischen Jazzszene in die 1960er Jahre zurückreicht, erkannte die Klasse unter anderem von Rebekka Bakken, Rigmor Gustafsson, Viktoria Tolstoy, Solveig Slettahjell und zuletzt Ida Sand und holte sie für ACT international ins Rampenlicht.
Es ist also nur folgerichtig, wenn Loch nun die erste ernsthafte Compilation der „Magic Nordic Voices“ mit der gleichnamigen ACT-CD vorstellt. Und weil es ihm bei dieser Bestandsaufnahme um einen repräsentativen Querschnitt ging, hat er nicht nur die eigenen Künstlerinnen (mit überwiegend bislang unveröffentlichten Songs) versammelt, sondern auch auf die wichtigsten Vertreterinnen der Konkurrenz zurückgegriffen. An dieser Stelle Dank an Universal, Enja, Stunt, Amigo, Curling Legs und Content Records für ihre Kooperations-bereitschaft.
Entsprechend breit aufgestellt ist diese Phalanx der Nordic Voices: Als Vertreterin der alten, noch am Great American Songbook orientierten Schule ist Karin Krog mit von der Partie, als Veteranin der nordischen Folkpoesie Mari Boine. Rebekka Bakken, die vielseitigste Avantgardistin, steuert ebenfalls einen traditionellen norwegischen Folksong in neuem Stimmgewand bei. Als Wegbereiterinnen der neuen Sirenen-Power zwischen Jazz, Blues, Rock und Pop dürfen Sidsel Endresen, Susi Hyldgaard und Caecilie Norby gelten, ebenso wie Silje Nergaard, die hier ganz aktuell nicht mit ihrem ehemaligen Trio um Tord Gustavsen, sondern im Duett mit Ehemann Heine Totland zu erleben ist.
In deren Fußspuren wandeln nun viele als jazzige Singer/Songwriter. Mit Malene Mortensen, Josephine Cronholm, Jeanette Lindström sowie dem ACT-Quartett Rigmor Gustafsson, Viktoria Tolstoy, Solveig Slettahjell und Ida Sand sind die besten von ihnen hier vertreten. Dass Skandinavien inzwischen sogar ein Hafen für stil- und weltenbummelnde Ladys aus dem Mutterland des Jazz ist, belegt das Stimmchamäleon Caroline Henderson. Der Bogen schließt sich, wenn ACT-Starposaunist Nils Landgren, seit kurzem selbst eine der prägnantesten Gesangsstimmen des Jazz, seit langem aber auch Talent-Scout, Mentor und Produzent vieler schwedischen Sängerinnen - mit Jessica Pilnäs ein weiteres vielversprechendes, hierzulande noch unbekanntes Talent vorstellt.
Ein wahrhaft bunter Strauß also. Und doch mit einer eigenen Komplementärfarbe: Selbst den „amerikanischsten“ Sängerinnen aus diesem Spektrum ist - neben der herausragenden Musikalität - jene Individualität zu eigen, die wohl das Erfolgsrezept der Skandinavierinnen ist: Der unüberhörbare Einfluss der nordeuropäischen Volksmusik. Tiefe, Innerlichkeit, Reinheit – das hebt sie nach wie vor von Sängerinnen anderer Provenienz ab. Genau diese Verbindung einer starken, zeitlosen Tradition mit dem wachen Blick für Aktuelles oder Kommendes lässt für die Zukunft noch einiges erwarten. Und sorgt auf Magic Nordic Voices“ für einstweilen konkurrenzlosen Genuss.