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Various Artists
Lost Blues Tapes - More American Folk Blues Festival 1963-65

Lost Blues Tapes -  More American Folk Blues Festival 1963-65
Lost Blues Tapes - More American Folk Blues Festival 1963-65

Produktinformationen

Aufnahmedetails

Disc 1
Recorded live by Muddy Waters by courtesy of chess Records at Bremen, Germany, October 13, 1963
Produced by Siegfried Loch, Co-producer: Horst Lippmann

Disc 2
Recorded at Hamburg, Germany on October 9, 1964 and October 7, 1965 and at Bremen, Germany on October 13, 1963
Produced by Siegfried Loch, Co-producer: Horst Lippmann


Gibt es in der Geschichte der Musik des 20. Jahrhunderts eine einflussreichere Unternehmung als die des American Folk Blues Festivals (AFBF)? Hat diese seit 1962 durchgeführte Veranstaltungsreihe nicht die europäische, die amerikanische, gar die internationale Musikszene nachhaltig beeinflusst? HipHop, Jazz, Funk, Rock, Heavy Metal und WorldMusic, was wäre all das ohne den Blues? Blues ist die Grundlage der populären Musiken des 20. Jahrhunderts; über ihn, seine Intensitäten, Rhythmen und Akkorde, öffnete sich vielen Menschen auch die Musik Afrikas, des Balkans oder die des spanischen Flamencos. Der Blues schloss die Gefühle der Völker kurz.

Tatsächlich war am Anfang nur ein Gefühl. Aber nicht das des Blues, sondern das der Leere. Die Idee, noch lebende Blues Legenden aufzuspüren und nach Europa bringen, hatte der Jazzpublizist Joachim Ernst Berendt Ende der fünfziger Jahre. Der aufkommende Rock ’n’ Roll sorgte für Randale, der Jazz wurde in Europa inzwischen feierlich zelebriert, aber vom Blues, der die musikalische Basis für Jazz und Rock ’n’ Roll darstellt, war wenig zu hören.

Horst Lippmann und seinem Partner Fritz Rau blieb es dann vorbehalten die Idee AFBF zu realisieren und die besten afroamerikanischen Bluesmusiker dem europäischen Publikum in Konzerthallen (!) zu präsentieren. Zunächst wurde Willie Dixon kontaktiert. Der einflussreiche Komponist und Bassist kannte die Blues Szene in Chicago wie kein Zweiter, und er stellte auch die Kontakte zu den Musikern des ländlichen Südens her.

1962 ging es los. Das American Folk Blues Festival brach wie ein Naturereignis über Europa los. In den Jahren 1962 bis 1972 wurden nahezu alle Größen des Blues dem europäischen Publikum vorgestellt.

Im Publikum in London saßen damals u.a. Beat-Rebellen wie Mick Jagger, Eric Burdon, Eric Clapton und Stevie Winwood. Und wer bis dahin Blues nur von Schallplatten oder aus dem Radio kannte, konnte nun leibhaftig den Legenden des Blues begegnen. In Großbritannien entzündete diese Begegnung einen schon lange schwelenden, nun ausbrechenden Bluesboom. Die Rolling Stones, die Animals, später Fleetwood Mac und Led Zeppelin und andere Gruppen, waren die Folge. Und der britische Bluesboom wiederum löste in Amerika ein neues Interesse am Blues aus, das bis heute andauert. Wer hätte diese Erfolgsgeschichte 1962, dem er 2003 sogar ein offizielles Jahr des Blues in den USA verdankte, voraus zu denken gewagt?

1962 saß auch der junge Produzent Siggi Loch im Hamburger Konzert, der dann die AFBF Schallplatten von 1963 bis 1966 für Fontana (Phonogram) produziert hat. Neben den offiziell veröffentlichten Aufnahmen gab es aber noch zusätzliches Material, das nicht auf die berühmten Alben kommen konnte, nicht zuletzt wegen der limitierten LP Spieldauer. Als Siggi Loch 1992 sein eigenes ACT Label gegründet hatte, fand er nach Gesprächen mit Horst Lippman die lange vermissten Original Bänder der legendären AFBF Aufnahmen in seinem Archiv und veröffentlichte 1993 die ACT CD´s Blues Giants und den Lost Tapes. Sie ergänzen die AFBF-Dokumentationen um wichtige Momente.

Nachdem diese Veröffentlichungen inzwischen vergriffen sind, erscheinen beide CD´s jetzt als Doppel-Edition. Noch einmal sind auf diesen Aufnahmen aus den Jahren ’63, ’64 und ’65 Legenden wie Muddy Waters, Sonny Boy Williamson, Lonnie Johnson, Big Joe Williams, John Lee Hooker, Memphis Slim und Willie Dixon zu hören. Muddy Waters solo und ohne Bandbegleitung zu hören, ist ebenso ein Erlebnis wie die Begegnung mit dem Mundharmonikavirtuosen Sonny Boy Williamson und dem elegant-jazzig phrasierenden Gitarristen Lonnie Johnson. Gefühlsintensität auf höchstem Niveau, Blues, trotz oder gerade wegen der Konzertatmosphäre, aber auch alternative- und out-takes von den Studioaufnahmen in sehr konzentrierter, geradezu intimer Stimmung. Ein Kurzschluss der Gefühle, der immer noch funktioniert.