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Various Artists
Bass Me

Infolf Burkhardt (vorne) und Peter Weniger - ©Anselm Kluge
Infolf Burkhardt (vorne) und Peter Weniger - ©Anselm Kluge
Peter Weniger, Infolf Burkhardt, Annette Humpe, Anselm Kluge - ©Anselm Kluge
Peter Weniger, Infolf Burkhardt, Annette Humpe, Anselm Kluge - ©Anselm Kluge

Produktinformationen

Besetzung

Annette Humpe - keyboards, programming, vocals
Anselm Kluge - keyboards, programming, bass, vocals
Peter Weniger - saxophone
Ingolf Burkhardt - trumpet


Aufnahmedetails

Music composed & produced by Annette Humpe & Anselm Kluge
Executive Producer: Siegfried Loch

Recorded 1999 at Selmofon Studio, Hamburg
Mixed by Andreas Herbig at Boogie Park Studio, Hamburg (except #2 & #4)


Gut Ding' muss Weile haben: Was damals, 1998, auf einer Party bei ACT-Chef Siggi Loch in geselliger Weinlaune begann, musste lange in den Musikarchiven gären, um jetzt, mit vollmundigem Bouquet verköstigt zu werden: McJazz wirkt alles andere als verstaubt. Gerade wegen seines Retro-Touchs klingt es heute ziemlich cool. Verantwortlich dafür sind Annette Humpe und Anselm Kluge, zwei prägende Gestalten des deutschen Popbusiness. Mit der Band „Ideal“ hat Humpe der Neuen Deutschen Welle die Fließrichtung aufgezeigt. Sie schrieb und produzierte für Rio Reiser, Udo Lindenberg und „Die Prinzen“. Heute stürmt Humpe mit der Erfolgsband „Ich + Ich“ die Charts. Kluge, in den 70ern und 80ern gefragter Studiobassist, ist Professor des renommierten Popkurses der Hamburger Musikhochschule. Er ist gefragter Komponist für Film- und Werbemusik, arrangierte bereits für „Die Prinzen“ und produzierte Jule Neigel sowie Nils Landgren.

Bei Bass Me ist der Name Programm: „Wir haben einfach rumgesponnen, wie viele geile Basslinien es in der Musikwelt so gibt. Und uns gedacht, dass man diese mal neu interpretieren und über sie improvisieren muss“, erzählt Annette Humpe. Somit ist Bass Me auch ein kniffliges Ratespiel. Finden Sie heraus, bei welchem Stück der Basslauf beispielsweise an einen Jimi Hendrix-Hit erinnert oder nach anderen Pop- und Rockgrößen klingt?

Pop, elektronische Musik und Jazz fließen zusammen, emotionale Jazzimprovisationen legen sich über lässige Grooves und werden mit Keyboardfills und hippen Sounds garniert. Man kann das NuJazz nennen oder einfach McJazz. „Bass Me ist für Cafés und Lounges, für coole Clubs und Partys gedacht“, erzählt Humpe. Der insistierende Beat bei „Heidelberg“ treibt direkt auf den Dancefloor. Federnd leicht kommt der „Bounce“-Groove auf „Mille Grazie“ daher. „Gucci & Versace“ und „Macht Nichts“ sorgen für den Chill Out-Faktor auf Bass Me. Leichtfüßig und sorglos fließt die Musik dahin. Im Ohr bleiben die prägnanten „Hooklines“ der 12 Titel des mit viel Liebe zum Detail komponierten und gewitzt arrangierten Albums.

Auch wegen des Beitrags beider Jazzsolisten ist McJazz alles andere als musikalisches Fast-Food: Der Saxofonist Peter Weniger und der Trompeter Ingolf Burkhardt geben Bass Me eine besondere, aufregende Geschmacksnote: In einem Moment intonieren sie unisono oder streuen knackige Bläser-Riffs ein, dann spielen sie sich die Improvisationsbälle zu, bis einer zum solistischen Alleingang aufbricht, um sich später mit dem anderen in einem dichten Stimmengewirr wiederzufinden. Die beiden Bläser rufen die komplette Emotionspalette ab: Von expressiv hochtönerisch bis zurückhaltend cool und laid-back. Weniger und Burkhardt sind erstklassige Jazzer von internationalem Format: Ersterer spielte mit Größen wie John Abercrombie, David Liebman, Billy Cobham und Paul Kuhn, letzterer als Mitglied der NDR Big Band bereits mit Jazzlegenden wie Lionel Hampton, Al Jarreau und McCoy Tyner.

„McJazz soll vor allem Spaß machen", erzählt Annette Humpe. „Es ist kein seriöser Jazz, das können wir auch gar nicht. Wir können Pop und lieben den Jazz, also machen wir es auf unsere Weise. Und das war der Grund warum Siggi unsere Musik damals erstmal im Keller verschwinden ließ." Doch über all die Jahre hinweg war das McJazz-Thema nicht tot zu kriegen und kam in Gesprächen und Musikerkreisen immer wieder auf. Und so entschloss sich der ACT-Chef, Bass Me der Musikwelt nicht länger vorzuenthalten. Nach 10 Jahren wird der Korken endlich geöffnet, um McJazz zu genießen - und das ist gut so