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Future Miles
Future Miles

Produktinformationen

Besetzung

Tim Hagans – trumpet
Norrbotten Big Band:
Håkan Broström – lead alto, soprano saxophone, flute
Johan Hörlén – alto saxophone, bass clarinet
Mats Garberg – tenor saxophone, flute
Bengt Ek – tenor saxophone, clarinet
Per Moberg – baritone saxophone, flute
Bo Strandberg – lead trumpet, fluegelhorn
Dan Johansson – trumpet, fluegelhorn
Magnus Ekholm - trumpet, fluegelhorn
Tapio Maunuvaara - trumpet, fluegelhorn
P-O Svanström – lead trombone
Magnus Puls – trombone
Peter Dahlgren – trombone
Björn Hängsel – bass trombone, tuba
Scott Kinsey – keyboards, programming
Ion Baciu – piano
Fredrik Jonsson – bass
Jonas Holgersson - drums


Aufnahmedetails

Recorded by Åke Linton at Musikhögskolan i Piteå, Sweden on June 15, 2000
Mixed by Scott Kinsey and Tim Hagans in March 2001
Mastered by Steve Hall at Futuredisk in March 2001
Produced by Scott Kinsey and Tim Hagans


Die Norrbotten Big Band (NBB) aus der schwedischen Stadt Luleå, 160 Kilometer südlich des Polarkreises, ist der beste Beweis dafür, dass sich der Jazz zu einer wirklich weltweiten Musik entwickelt hat – einer Musik, die wie kein anderer Stil scheinbar mühelos geografische Grenzen und kulturelle Unterschiede überwindet.

Im hohen Norden, dort, wo die Samen seit Jahrhunderten ihre Rentiere hüten, hat sich die NBB – seit 1996 unter der künstlerischen Leitung des amerikanischen Trompeters und Komponisten Tim Hagans - zu einem der besten Big Band-Ensembles in Europa entwickelt – vergleichbar etwa der Big Band des WDR in Deutschland.

Die NBB, die auch als Radio-Big-Band auftritt, tourt regelmäßig durch Schweden und Skandinavien. In Deutschland präsentierte sich die NBB vor größerem Publikum beim letztjährigen JazzFest Berlin. Ihr dortiger Auftritt wurde im amerikanischen Jazzmagazin "Down Beat" als "umwerfendes Erlebnis" gefeiert. Mit der Veröffentlichung von "Future Miles" bei ACT wird sich die NBB international weiter profilieren.

Hagans beschreibt das Projekt als "Ableger meiner beiden letzten CDs für Blue Note Records" (das Solo-Projekt Animation/Imagination und Re-Animation, in Zusammenarbeit mit Bob Belden; beide CDs wurden für einen Grammy nominiert). "Auf beiden CDs kombinierten wir Drum `n` Bass mit Jazzimprovisation. Manche meinten, dass Miles Davis, wenn er noch am Leben wäre, heute so oder ähnlich klingen würde. Daher der Titel ‚Future Miles’ als ich vorschlug, das Gleiche mit der NBB auszuprobieren."

Hagans ist ein Big Band-Veteran, der bereits mit Woody Herman, Stan Kenton, dem "Village Vanguard Orchestra" von Mel Lewis und Maria Schneider gespielt hat. Seine Verbindungen  zur skandinavischen Jazz-Szene und zur NBB gehen auf die späten 70-er und frühen 80-er Jahre zurück, als er in Malmö/Schweden lebte: Mit der Fähre fuhr er damals oft nach Kopenhagen, um in der quicklebendigen Jazzszene der dänischen Hauptstadt mit Leuten wie Thad Jones, Dexter Gordon, Ed Thipgen, Kenny Drew, Horace Parlan und anderen Exil-Amerikanern zu jammen. Heute reist Hagans ungefähr zehn Mal jährlich nach Luleå, um für die Dauer von ein bis zwei Wochen mit der NBB zu arbeiten.

Als Haupteinflüsse auf der Trompete nennt Hagans Miles Davis, Thad Jones, Freddie Hubbard und Woody Shaw. Er ist glücklich, dass er alle vier – bis auf Miles Davis – nicht nur kennen gelernt, sondern auch mit ihnen gespielt hat. Bei Miles Davis schätzt er besonders dessen Aufnahmen mit Gil Evans ("besonders Porgy and Bess"), "Miles at the Blackhawk" ("schrecklich unterschätzt") und die Aufnahmen, die Davis von "In A Silent Way" bis zu seinem Rückzug 1975 machte. "Miles machte mir klar, dass jede Note und jede Pause ihre Bedeutung hat. Und dass man deswegen nur das spielen sollte, was man sagen will. Und dass Spannung durch Pausen entsteht. Daran versuche ich mich zu halten, wenn ich spiele und komponiere."

"Als Musiker und Komponist bin ich Autodidakt. Anstelle von Regeln denke ich in Gefühlen, die ich ausdrücken will. Was das Komponieren betrifft, sind Thad Jones und Bob Brookmeyer meine wichtigsten Einflüsse, obwohl ich momentan überwiegend klassische Komponisten höre: Bruckner, die Sinfonien von Sibelius und Rautavaara und eine ständige Dosis Bartók. Ich möchte mich als Komponist weiter entwickeln. ‚Future Miles’ sehe ich als einen weiteren Schritt meiner Entwicklung an. Als Komponist möchte ich mich von traditionellen Formen weg- und auf ein ‚Stream of idea’-Konzept zubewegen."

Einen Teil der Musik von "Future Miles" schrieb Hagans zusammen mit dem Keyboarder und Computer-Spezialisten Scott Kinsey. Neben seiner Arbeit mit "Tribal Tech" hat Kinsey bereits auf Hagans Blue Note-Einspielungen gespielt, bei denen er auch als Arrangeur, Programmierer und Co-Produzent mitwirkte.

"Future Miles" setzt mit einer "Fanfare for Miles" ein – Hagans’ Verbeugung vor dem Maestro des modernen Jazz, eine Mischung aus der Musik eines Aaron Copland und eines Woody Shaw. "Kickass" – von Hagans als "schonungslose Tanzmusik" beschrieben – wird von Jonas Holgerssons Schlagzeugspiel vorangetrieben.

Mit überraschenden Effekten, die Kinsey beim Abmischen hinzufügte, featured "Kickass" auch Håkan Broström am Altsax. "Kinsey Report" entführt den Hörer in Klangräume, die für Hagans "erotisch und geheimnisvoll" klingen. Zu "Big Gig in Pajala" – einem Duett zwischen Hagans und Kinsey – wurde der Trompeter durch einen Film des schwedischen Fernsehens inspiriert, der einen Auftritt der NBB in einem winzigen Ort am Polarkreis dokumentiert.

"Miles of the Blues" ist der Versuch, die Musik von Gil Evans und Thad Jones mit Hagans’ Atonalität zu verknüpfen. "Concrete Hat" beschreibt das Gefühl nach einer durchzechten Nacht. "Future Cool" – zusammen mit "Miles of the Blues" eines der zwei akustischen Stücke auf dem Album – ist eine formal offene Komposition, deren unterschiedliche Stränge sich im Klaviersolo von Ion Baciu zusammenfügen. Die Instrumentierung erinnert an den Gil Evans/Miles Davis-Klassiker "Birth of the Cool". Die letzte Nummer der CD – "Boogaloo" – feiert eine von Tim Hagans’ Lieblingsstilistiken: Den Funk, angefangen von den jazzigen "Rare Grooves" des Blue Note-Labels bis hin zum 70s-Funk von Bands wie "War" und den "Bar-Kays".

Obwohl Miles Davis die wichtigste Referenz für "Future Miles" darstellt, hatte Hagans beim Komponieren auch andere Einflüsse im Hinterkopf. "Da ich in den 60-er Jahren aufgewachsen bin, bin ich stark auch von Rock und Pop beeinflusst. Und ich war schon immer der Ansicht, dass man alles spielen kann – auch seltsame, durchgeknallte Dinge – ,solange der Rhythmus nur stark genug ist. ‚Future Miles’ ist ein weiterer Versuch, diese Prämisse zu belegen – wie schon meine Aufnahmen mit Bob Belden."