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Terri Lyne Carrington
Structure

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Produktinformationen

Besetzung

Terri Lyne Carrington - drums, percussion, vocal
Greg Osby - alto saxophone
Adam Rogers - acoustic and electric guitar
Jimmy Haslip – bass


Aufnahmedetails

Recorded at Castle Oaks Studio, Calabasas, CA USA,
November 2003
Engineered and Mixed by Rich Breen
Produced by Terri Lyne Carrington and Jimmy Haslip


Licht und Geheimnis oder Der Reiz der Begegnung: Terri Lyne Carrington, Greg Osby, Adam Rogers und Jimmy Haslip mit STRUCTURE.
Bei Jazz-Verbindungen ist die Chemie genau so wichtig wie bei solchen im Liebesleben. Und wenn der Funke springt, sind wunderbare Dinge möglich. So ist das auch im vorliegenden Fall, auch wenn hier vier amerikanische Spitzenmusiker unter einem äußerst nüchtern klingenden Titel zusammengefunden haben. STRUCTURE nennen Schlagzeugerin Terri Lyne Carrington, Saxophonist Greg Osby, Gitarrist Adam Rogers und Bassist Jimmy Haslip ihre gemeinsame CD. Schnell wird beim Hören der zehn Stücke – neun davon Eigenkompositionen der vier Bandmitglieder, eines ein Song von Joni Mitchell - klar, dass hier ein besonderer Reiz der Begegnung kreativ ausgelebt wird. Etwa nach Carringtons Motto, das hier durchaus für alle Beteiligten gelten kann: "Ich bin nur so gut, wie die, mit denen ich jeweils spiele. Ich muss inspiriert werden, um wirklich zu brennen."
Ein Zusammentreffen von vier besonders starken Individualisten ist STRUCTURE. Drei von ihnen wurden viel gerühmt als Bandleader mit hervorragenden eigenen Projekten, doch hier frönen sie dem Ideal einer Gruppe aus Gleichberechtigten – bei der die Leader-Funktion und Verantwortung von einem zum anderen wandert. Eine enorm flexible Viererbande ist daraus geworden: mit einer Musik, die aus vielen Unterschieden schöpft und doch wie aus einem Guss ist.

Bei Ausnahme-Begabungen wie diesen verwundert das nicht. Es lohnt sich, ihr bisheriges Schaffen hier etwas ausführlicher einzeln zu umreißen. Terri Lyne Carrington, die bereits mit sieben Jahren Schlagzeug lernte, wurde als Drummerin von Stars wie Wayne Shorter, Herbie Hancock oder auch Al Jarreau, aber seit den Achtzigern vor allem als prägnante Komponistin, Arrangeurin und Leaderin gefeiert: eine brillante, ausdrucksstarke Technikerin mit sehr wachem Ohr. Saxophonist Greg Osby, unter anderem Mitbegründer des Avantgarde-Kollektivs M-Base, zählt ebenfalls seit den Achtzigern zu den hervorstechenden Erscheinungen der internationalen Jazz-Szene: ein Mann des kühlen, klaren Tons und einer verblüffenden Komplexität des Spiels, der seine Linien aus raffinierter Harmonik mit ständig wechselnden Bezugspunkten entwickelt und sich mit glänzenden eigenen Gruppen profiliert hat.
Zu solchen Jazzgrößen passen die anderen beiden im Bunde bestens. Adam Rogers, etwa bekannt für die exzellente CD "Allegory" (2003), ist ein strahlender jüngerer Stern am Jazz-Gitarrenhimmel, der sich traumhaft im Universum vielschichtiger Harmonik bewegt und in seinen eigenen Aufnahmen etwa mit Kollegen wie Tenorsaxophonist Chris Potter oder Bass-Wundertechniker Scott Colley instrumentale Glanzstücke vollführte. Jimmy Haslip schließlich, der für Jaco Pastorius, Jimi Hendrix, aber auch Paul McCartney schwärmt, gehört zu den fesselndsten heutigen Spielern der elektrischen Bass-Gitarre, der die tiefe Stimme seines Instruments Musikern von Vince Mendoza über Randy Brecker und Pat Metheny bis Joe Cocker lieh: ein gefragter Virtuose mit enormem Stil-Horizont.
Ein Klang-Abenteuer der gegenseitigen Einfühlung auf ganz hohem Niveau ist STRUCTURE geworden. Technisch verstehen sich die vier Musiker ohnehin blind, aber auch atmosphärisch bestechen diese Aufnahmen. Aus hoch anspruchsvollen, oft so filigranen wie kraftvollen – und nicht zuletzt so sinnlichen wie vertrackten – Kompositionen entsteht ein spannungsvoller Sog. Eng verzahnt und dicht ist das Zusammenspiel – bei einem Klangbild von höchster Transparenz.
Selten finden Licht und Geheimnis so organisch zusammen. Das gilt besonders für das ungewöhnlichste Stück des Albums: Die weltpolitische Klage "Ethiopia" der Singer-Songwriterin Joni Mitchell, bei der Terri Lyne Carrington ihre Qualitäten als berückend ausdrucksvolle Sängerin einsetzt, wird hier – bei einem Optimum an zarter Vehemenz im Spiel der ganzen Band – zu einem bewegenden Statement, das wohl keinen Hörer kalt lässt. So viele Aspekte können sich hinter dem so neutralen, distanzierten Wort STRUCTURE verbergen.