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Soriba Kouyaté
Live In Montreux

Live In Montreux
Live In Montreux

Produktinformationen

Besetzung

Soriba Kouyaté - kora
Matthieu Michel - trumpet
Linley Marthe - bass
Joël Allouche - drums


Aufnahmedetails

Recorded live by Jean Ristori during the ACT World Jazz Night, Montreux Jazz Festival, Switzerland, July 16, 2000
Edited and mixed by Philippe Gaillot at Recall Studio (30), France
Mastered by Klaus Scheuermann
Produced by Joëlle Merlier & Philippe Gaillot for Recall / Soriprod


"Ladies and Gentlemen, for the final part of the Act World Jazz Night, I’m very proud to present you a very special group of people and this wonderful artist, who was able to create such a incredible impact: Soriba Kouyaté" Mit diesen Worten beginnt beim Jazzfestival 2000 in Montreux eine der aufregendsten Klangreisen durch die Welt der musikalischen Schönheit und des Rebellentums. Denn tatsächlich gelingt es Soriba Kouyaté bei diesem, von der Presse und dem Publikum gefeierten Konzert, mit Spielfreude, Können und ungewöhnlichen Klängen zu überzeugen. Auf dem Live-Mitschnitt lässt sich miterleben, wie gerechtfertigt all die Rufe sind, die den Senegalesen als bedeutenden Innovator des Koraspiels feiern.

Geboren wurde Soriba Kouyaté am 23. Dezember 1963 in Dakar, Senegals Hauptstadt. Von Geburt an, war er zum Musiker bestimmt, da er der Sohn eines der berühmtesten Koraspieler des Senegals und das Musikmachen Familiensache ist. Sein Vater Mamadou Kouyaté hat nicht nur für den senegalesischen Präsidenten Senghor gespielt, sondern sogar die erste Koraschule des Landes gegründet. Das war der Vater seinen Vorvätern schuldig. Denn sie alle waren Griots, jene mehr oder weniger weisen Männer Afrikas, die in Westafrika mit Preisgesängen und Geschichten von Königen, Fürsten und all jenen, die es sich finanziell leisten können, das Alltagswissen tradieren. Die Griots mit ihren Koras gelten als "lebende Bibliotheken", und sie geben nicht nur das Wissen um die Tradition weiter, sie festigen sie auch durch ihre Gesänge, predigen Moral und Werte.

Für den Sohn allerdings verbindet sich der Stolz, Erbe einer Griot-Familie zu sein, mit der Kritik an der rein bewahrenden Rolle der Griots in der afrikanischen Gesellschaft. Denn Kouyaté steht den traditionellen Werten nicht unkritisch gegenüber, und diese Haltung prägte schon frühzeitig seinen Umgang mit dem geheiligten Instrument. Nicht zufällig also kam es bereits in der Koraschule seines Vaters zu ernsten Auseinandersetzungen um die "richtige" Spielweise dieses klangschönen Instruments.

Mit Kürbiskorpus, 21 Saiten und einem Tonumfang von drei Oktaven, dient es gleichzeitig der Erzeugung perkussiver als auch melodiöser, vielfach verschlungener Muster, die im Laufe der Jahrhunderte von einem Griot zum anderen weitergegeben wurde. Diese Gewebe der Tradition bekamen erstmals in den achtziger Jahre einige Risse, als Foday Musa Suso aus Gambia, Toumani Diabate aus Mali und und der auch hierzulande durch seinen Hit "Yé Ké Yé Ké" bekannte Mory Kante mit Koraklängen im Jazz-, Rock- und Popkontext für Furore sorgten.

Aber niemand ging soweit wie der Koravirtuose aus dem Senegal. Er verstärkte  das Instrument elektrisch, setzte zusätzliche Wirbel ein, um die pentatonisch gestimmten Seiten schnell umzustimmen, zupft sie wie eine Gitarre, slappt sie wie einen Bass. Und sein Repertoire hat mit dem der Vorväter wenig zu tun. "Ich habe früh schon die Musik von Miles Davis, George Benson und Wes Montgomery gehört. Und wenn ich Songs von James Brown anstimme, staunt das Publikum. Dann bekomme ich mehr Beifall als mein Vater." Während die Traditionalisten ihn als "Spinner" verachten, war ihm die Zuspruch des Publikums gewiss. Bei Begegnungen mit allerlei Musikprominenz, u.a mit Dizzy Gillespie, Hugh Masekela, Peter Gabriel, Youssou N’Dour und den zwei gepriesen Studio-Produktionen Kanakassi (ACT 9272-2, 1999) und Bamana (ACT 9288-2, 2001) war ihm der Beifall auf den Bühnen der Welt sicher.

An Beifall nicht gespart wurde auch bei seinem Auftritt in Montreux. Mit seiner perfekt eingespielten Band verausgabt sich der Korarebell mit lyrischem Enthusiasmus bei einer so selten gehörten Allianz zwischen europäischem Jazz und afrikanischem Innovatorentum. Eine begeisternde Leistung, bei der es auf neun Titeln zwischen Fusion und Funk zu einem gleichberechtigten Austausch der musikalischen Ideen kommt. Kouyaté befreit dabei die Kora aus den Zwangskorsett der afrikanischen Tradition und führt sie als ein, der Trompete, dem Bass oder der Gitarre vollkommen ebenbürtiges Instrument, in den Kontext des Jazz ein. Die Zeiten, in denen die Kora nur als exotisch klingendes Beiwerk in westlichen Musiken verwendet wurde, sollten nach diesem fulminaten Konzert in Montreux 2000 endgültig der Vergangenheit angehören. Kouyaté sei Dank!