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Solveig Slettahjell
Good Rain

Good Rain
Good Rain

Produktinformationen

Besetzung

Solveig Slettahjell – vocals
Sjur Miljeteig - trumpet
Morten Qvenild - piano
Mats Eilertsen - bass
Per Oddvar Johansen - drums


Aufnahmedetails

Recorded by Andy Mytteis at Bugge's Room, Oslo, Norway from April 17-19, 2006. Additional recording at Is It Art Studio, Kölviken, Sweden, April + May, 2006
Mixed by Sjur Miljeteig and Andy Mytteis at Bugge's Room, Oslo, Norway from April 22-24, 2006
Mastered by Audun Strype and Sjur Miljeteig at Strype Audio, June 2, 2006
Produced by Slow Motion Quintet


"Solveig Slettahjell hat für den Jazz das geleistet, was James Joyce für den Entwicklungsroman tat; sie hat die Form völlig auseinander genommen und noch einmal neu angefangen."

(Stuart Nicholson, Observer Music Monthly, November 2005)

Zugegeben, hört man den Namen Solveig Slettahjell zum ersten Mal, muss man sich die Silbenfolge (sprich: Sulwej Schlettajell) einmal vorsichtig buchstabieren. Das war in den vergangenen Monaten kein Hindernis für eine wachsende Zahl von Begeisterten. Das Album Pixiedust jedenfalls, das Solveig Slettahjell mit ihrem Slow Motion Quintet im Februar 2006 in Deutschland als ihr ACT-Debüt veröffentlichte, stürmte schon im März auf #6 der Musikmarkt Jazzcharts und im April #5 der JPC Jazzcharts.

Ein Erfolg, der bereits zu erahnen war. Zwar blieb das Deutschland-Debüt der norwegischen Sängerin auf der JazzBaltica 2004 noch ein Geheimtipp vor kleinem Publikum - die mitgebrachten Stapel des damals aktuellen Albums Silver allerdings waren nach der letzen Zugabe binnen Minuten vergriffen. Für alle, die damals leer ausgingen, erscheint Silver jetzt als re-release zeitgleich mit dem neuen Album Good Rain am 20. Oktober 2006 bei ACT.

Im Sommer 2006 kehrte Solveig Slettahjell wieder zur JazzBaltica zurück - diesmal auf die große Festivalbühne - und brachte die ausverkaufte große Konzertscheune zum Beben. Mit 'Standing Ovations' forderte das Publikum Zugabe um Zugabe und dankte dem Slow Motion Quintet für einen der bewegendsten Höhepunkte des Festivals. Wieder hatte sich bewahrheitet, was das britische Magazin Jazzwise schon früher erkannte: "Am Ende eines ihrer Konzerte weiß man, das man etwas Einzigartiges erlebt hat."

Den Namen für ihr Slow Motion Quintet hat Solveig Slettahjell mit Bedacht gewählt: "Es ist wie bei der Zeitlupe im Kino. Plötzlich werden Details in der Musik sichtbar und die Relationen zwischen diesen Details werden größer und klarer – zumindest für mich und ich glaube, auch für das Publikum." Im Fokus dieser musikalischen Zeitlupe stand auf den ersten Alben des Slow Motion Quintet ein handverlesenes Repertoire: altbekannte Standards von Jerome Kern bis Cole Porter und wunderbar neue Entdeckungen aus den Sphären des Pop von Tom Waits bis John Hiatt - Solveig Slettahjell drehte bislang verborgene Facetten dieser geheimnisvoll funkelnden Schmuckstücke ins Licht: so hatte man diese Songs noch nie gehört.

Mit ihrer natürlichen Alt-Stimme schlägt Solveig Slettahjell ihr Publikum in den Bann, wie man es sonst von Charismatikern wie Bob Dylan oder Joni Mitchell kennt. Eine einstudierte Rolle zu spielen liegt ihr genau so fern wie die sortenreine Trennung zwischen Genres wie Jazz, Pop oder auch Country. "Wenn es darum geht: 'Jazz versus andere Teile meiner musikalischen Persönlichkeit' , mag es vielleicht interessant sein, darüber zu sprechen. Aber als Sängerin ist das für mich nicht wichtig." Den "Rolling Stone" beeindruckte Solveig Slettahjell auf Pixiedust denn auch gerade mit diesen "magischen Momenten im Grenzrevier von Jazz, Pop und Folk".

Die Sängerin legt Wert darauf, dass es nicht etwa "Solveig Slettahjell & Slow Motion Quintet" heißt. Vielmehr zählt sie als fünftes Mitglied zu dieser Band, deren Musiker so eng miteinander kommunizieren - Sjur Miljeteig, der außerordentliche Trompeter bildet mit sanftem Ton ihr direktes Gegenüber, Pianist Morten Qvenild steuert unerwartete Klänge aus akustischen und elektronischen Quellen bei, wie auch der Wirbelwind am Schlagzeug, Per Oddvar Johansen und Bassist Mats Eilertsen, der unprätentiös Rückgrat und Fundament des Quintets bildet. Jenseits der althergebrachten Jazztradition halten die Fünf aus Norwegen die traditionellen Werte des Jazz in Ehren: "Singe und spiele nur, wenn Du etwas zu sagen hast. Und finde deinen eigenen Weg, das auszudrücken."

Good Rain, das neue Album, markiert eine neue Stufe für das Slow Motion Quintet, wie Solveig Slettahjell stolz erklärt: "Fast alle Stücke auf dieser CD wurden von uns selbst, von Morten, Sjur und mir geschrieben. Jeder von uns weiß, wie wir spielen, wie wir mit Liedern umgehen. Wenn wir also unsere Songs selbst schreiben, können wir sie sogar noch freier behandeln. Es wird einfacher, unseren Charakter beizubehalten – und das fühlt sich gut an."

Wie ein erster warmer Frühlingsregen dürre Beete und Spaziergänger gleichermaßen durchtränkt, umarmt Good Rain uns mit der Eindringlichkeit des Gospel, mit aufs Wesentliche reduzierten TripHop-Arrangements und manchmal auch mit der mitreißenden großen Geste eines radiotauglichen Pop-Refrains. Von der ersten – noch unbegleitet wie ein Gebet gesungenen - Minute an öffnet Good Rain einen weiten Raum der Möglichkeiten: eingebettet in lebendige Klangebenen und liebevoll kommentiert von blinkenden Details entfaltet die Poesie ihre mehrdeutige Wirkung. Dort, wo das Slow Motion Quintet jeder Phrasierung Bedeutung verleiht, ist nichts, wie es scheint. Melancholische Balladen-Tempos spenden Trost, ein klapperndes Honky-Tonk-Piano mag die gut gemeinte Aufforderung "Don´t Look Back" nicht bestärken, die Alltäglichkeiten einer Postkarte münden in der Pointe "P.S. I love you".

Es ist dieses Miteinander der Gegensätze, die das Slow Motion Quintet in seinen Liedern aufrichtig zulässt – und das Solveig Slettahjell eine Ausnahmestellung unter den zahlreichen großartigen Sängerinnen aus Skandinavien sichert. Ihre Stimme trifft mitten ins Herz, weil sie nichts verschweigt: Liebe und Verlust, Trauer, Hoffnung und Glück gehören untrennbar zum Leben. Denn es gibt nicht nur Regen, da ist Good Rain.