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Oddjob
Clint

Oddjob - ©Daniel Månsson
Oddjob - ©Daniel Månsson

Produktinformationen

Besetzung

Goran Kajfes / trumpets, percussion
Per "Ruskträsk" Johansson / saxophones, clarinets, flute
Daniel Karlsson / piano, fender rhodes, organs, synthesizers
Peter Forss / acoustic & electric bass, guitar
Janne Robertson / drums, percussion
Guest: Johan Lindström / pedal steel guitar


Aufnahmedetails

Arranged by Oddjob
Produced by Oddjob and Johan Lindström
Executive Producer: Siegfried Loch

Recorded and mixed by Johan Lindström at Hammarby Studios, Stockholm, Oct. 19 - 22 and Oct. 26 - 28, 2009. Recording engineer Simon Yttergren. Additional production (#1) at Koyo Studio by Oddjob
Mastered by Håkan Åkesson at Cutting Room


Fünf Buchstaben, ein Wort und man weiß sofort, wer gemeint ist: Clint steht für Clint Eastwood. Das schwedische Jazz-Ensemble Oddjob bringt damit in aller Kürze auf den Punkt, worum es in ihrem neuen Album geht: Um Musik aus den Filmen mit diesem großen Schauspieler, Regisseur und Komponisten. Eastwood feiert im Jahr der CD-Veröffentlichung seinen achtzigsten Geburtstag, und Oddjobs Clint ist eine respektvolle Hommage an diesen berühmten Schweiger und Einzelgänger.

Die Idee zu dem Album entstand aus Gesprächen zwischen den fünf Musikern aus Stockholm und ACT-Labelchef Siggi Loch. „Wir haben vier Alben mit unseren eigenen Kompositionen veröffentlicht und wollten nun eine Platte machen, die unter einem Thema steht. Am Ende der Gespräche haben wir uns für Clint Eastwood und Musik aus seinen Filmen entschieden. Es ist leichter, diese Kompositionen mit unserem typischen Sound zu bearbeiten, als sich noch eine weitere Version eines berühmten Jazz-Standards vorzunehmen“, sagt Goran Kajfes, Trompeter von Oddjob. Der 1970 in Stockholm geborene Kajfes verfügt selbst über einige Erfahrungen im Umgang mit Filmmusik, denn er hat unter anderem Scores für den Dokumentarfilm „The Well“ und das spanische Drama „Hoy no se fia, manana si“ geschrieben. Als Komponist war Kajfes für Clint jedoch nicht gefordert, denn Oddjob benutzten ausschließlich Vorlagen von Ennio Morricone, Lalo Schifrin, Lennie Niehaus, Ron Goodwin sowie ein Stück von Eastwood.

Oddjob haben vor allem Kompositionen aus den frühen Werken des Filmhelden ausgewählt. „Wir haben die Musik aus allen Perioden unter die Lupe genommen, doch die 60er und 70er Jahre haben uns stärker inspiriert als spätere Aufnahmen. Oder um es anders zu sagen: Diese Musik klingt einfach am meisten nach Oddjob!“ Eine Aussage, die nicht erstaunt, wenn man sich Oddjobs vorherige Alben anhört. Seit sich Kajfes, Johannson, Robertson sowie Bassist Peter Forss und Pianist Daniel Karlsson 2002 zusammengefunden hatten, hat die Band daran gearbeitet, einen zeitgemäßen Ausdruck für Jazz-Rock zu finden – ein Genre also, das in den 60er- und 70er-Jahren seine Blüte erlebte, aber später zu einer reinen Zurschaustellung von Virtuosentum verkam.

„Es ging uns bei Clint darum, die Stimmungen von Eastwoods Filmen einzufangen“, sagt Goran Kajfes. Das Album beginnt mit „The Good, The Bad & The Ugly“, dem Klassiker der berühmten Spaghetti-Western von Sergio Leone. Als lakonischer Westerner, der aus dem Nichts auftauchte, für Recht und Ordnung sorgte und genauso wieder verschwand, wurde Eastwood zum internationalen Star. Als Fremder ohne Namen schuf er eine geradezu mythische Figur. Das berühmte Thema von Ennio Morricone entwickelt sich bei Oddjob aus einem hämmernden Synthesizer und einem Technobeat, bevor Trompeter Goran Kajfes und Saxofonist Per „Ruskträsk“ Johansson das Leitmotiv aufnehmen. Anfang der 70er-Jahre kreierte Eastwood zusammen mit Don Siegel den „Dirty Harry“, der eine weitere wichtige Figur in seiner Filmkarriere werden sollte. Harry Callahan ist Polizist in San Francisco und ebenso ein schweigsamer Eigenbrötler wie Eastwoods Westernhelden. Die Musik jedoch, überwiegend von Lalo Schifrin geschrieben, ist bedrohlich, verstörend und entspricht dem hektischen Leben in einer amerikanischen Großstadt. „Palancio“ aus „Magnum Force“ (deutscher Titel: „Calahan“) modernisiert Oddjob zu einem urbanen Sound, bei dem das fiebrig-nervöse Schlagzeug von Janne Robertson von Goran Kajfes’ Trompete überlagert wird. Das Thema von „Magnum Force“ beginnt mit einem Solo von Per „Ruskträsk“ Johansson auf der Bassklarinette, dunkel und abgründig. Es korrespondiert mir den Orten, in die sich Callahan bei seiner Verbrecherjagd begeben muss, in dunkle Gassen und düstere Hinterhöfe, in denen das Böse sich verbirgt.

Bei Oddjob steht die Band mit ihren klanglichen Möglichkeiten und nicht der Einzelne im Mittelpunkt. Die ausgewählten Kompositionen auf Clint bieten diesem versierten Quintett vielfältige Möglichkeiten, Stimmungen und Gefühle musikalisch auszuloten und visuelle Vorlagen in eine andere Kunstform zu übertragen. In einer Ballade wie dem „Theme From Pale Rider“ ist die Einsamkeit des „namenlosen Reiters“ genauso spürbar wie der Wahnsinn des Killers in „Scorpio’s Theme“ aus „Dirty Harry“. In der Gegenwart gibt es keine Band, die so klingt wie Oddjob, in der Jazzgeschichte ist sie am ehesten mit Herbie Hancocks Mwandishi-Band aus den frühen 70er-Jahren zu vergleichen. Oddjob hat den von Funk und Soul geprägten Jazz-Sound dieser Periode in die Gegenwart zurückgeholt und bemerkenswerte Klangfarben für seine neuen Interpretationen gefunden.

Clint steht als Album für sich allein, doch es macht auch Lust, sich wieder einmal mit den frühen Kinowerken von Eastwood zu beschäftigen. Goran Kajfes nennt noch einen weiteren gewichtigen Grund, warum Oddjobs Wahl auf Eastwood fiel: „Es gibt eine fast zwangsläufige Verbindung, denn Clint Eastwood ist ein riesengroßer Jazzfan.“