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Nguyên Lê
Walking On The Tiger’s Tail

Jamey Haddad, Art Lande, Nguyên Lê, Paul McCandless - ©ACT / Rolf Kissling
Jamey Haddad, Art Lande, Nguyên Lê, Paul McCandless - ©ACT / Rolf Kissling
Jamey Haddad, Art Lande, Nguyên Lê, Paul McCandless - ©ACT / Rolf Kissling
Jamey Haddad, Art Lande, Nguyên Lê, Paul McCandless - ©ACT / Rolf Kissling

Produktinformationen

Besetzung

Nguyên Lê - electric & electroacoustic guitars, electronics
Art Lande - piano
Paul McCandless - tenor, soprano & sopranino sax, oboe, english horn, bass clarinet
Jamey Haddad - drums & percussions


Aufnahmedetails

Recorded, Mixed and Mastered by Johannes Wohlleben at Bauer Studios, Ludwigsburg, Germany
October & November 2004
Produced by Nguyên Lê


Walking on the Tiger’s Tail bedeutet, sich angesichts einer Gefahr klug zu verhalten, sich ihrer bewusst zu sein, ohne sie zu herauszufordern, und gleichzeitig ruhig und entschlossen zu bleiben (1). Die meisten Stücke dieses Albums wurden von taoistischen Texten inspiriert, die reich an poetischen Paradoxen wie diesem sind.
Butterfly Dream: Einst träumte Dschuang Dsi, dass er ein Schmetterling sei. Als er aufwachte, fragte er sich, ob er nun Dschuang Dsi sei, der davon geträumt hatte, ein Schmetterling zu sein oder aber ein Schmetterling, der träumt, Dschuang Dsi  zu sein. (2)
Yielding Water: Die unwiderstehliche Kraft des Wasser besteht darin, dass sie nicht widersteht. Diese Schwäche macht es dem Wasser möglich, den Stein zu höhlen, seine Nachgiebigkeit lässt ihn das Harte und Starre überwinden. (3)
Totsu! ist der Ausruf, den ein Zen-Schüler angeblich ausstößt, wenn er die Erleuchtung erreicht hat. Dieser trockene, knisternde Klang entsteht auch, wenn ein Blatt des Pawlonia-Baumes auf die Erde fällt.
Wingless Flight: Es ist einfach, in seinem Gang innezuhalten. Schwieriger ist es, voranzuschreiten, ohne den Boden zu berühren. Ihr habt davon gehört, dass man mit Flügeln fliegen kann. Aber ihr habt noch nie davon gehört, dass man ohne sie fliegen kann. Ihr habt davon gehört, dass man durch Wissen weise wird. Aber ihr habt noch nie davon gehört, dass man durch Nicht-Wissen weise wird.
Ich habe diese Musik nach einer schwierigen Phase in meinem Leben geschrieben, einer Zeit, die mich paradoxerweise zu einer heiteren Gelassenheit geführt hat. Eine innere Ruhe, die ich gleichzeitig gelebt und gesucht habe. So erklärt sich meine Faszination für die alten chinesischen Bücher, Symbole universeller Weisheit und Kraft. Als es mir wieder besser ging, wollte ich die Musik dieser Momente mit zwei sehr engen Freunden teilen und gemeinsam erschaffen: mit Art Lande, dem Pianisten, der meine ersten beiden Alben "Miracles" (1989) und "Zanzibar" (1992) geprägt hat und mit seinem langjährigen musikalischen Wegbegleiter, dem herausragenden Holzbläser Paul McCandless. Zwischen uns dreien besteht ein so inniges Einverständnis und ein solcher Respekt füreinander, dass wir eine besondere Instrumentierung brauchten. Deshalb haben wir auf einen Bassisten verzichtet und jeder von uns hat diesen Part reihum übernommen. Und das Perkussionsspiel von Jamey Haddad erinnert uns an die fernen Landschaften, in denen diese Rhythmen verwurzelt sind.
Ich möchte allen von Herzen danken, die mir ihre Freundschaft bezeugt haben, als meine Gesundheit daniederlag und ich widme diese Musik jenen, die jetzt dem Tiger gegenüberstehen. Die Musik hat mich getragen, wie eine Mutter ihr Kind trägt, und sie erinnert uns daran, dass jeder einzelne Augenblick ein Wunder ist!

Nguyên Lê, Dezember 2004

(1) I Ging, #10 (2) Dschuang Dsi, #2 (3) Tao Te King, #78 (4) Dschuang Dsi, #4