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Prabhu Edouard, Nguyên Lê, Mieko Miyazaki - ©ACT / Nathalie Rozé
Prabhu Edouard, Nguyên Lê, Mieko Miyazaki - ©ACT / Nathalie Rozé
Prabhu Edouard, Nguyên Lê, Mieko Miyazaki - ©ACT / Nathalie Rozé
Prabhu Edouard, Nguyên Lê, Mieko Miyazaki - ©ACT / Nathalie Rozé

Produktinformationen

Besetzung

Nguyên Lê – guitars
Mieko Miyazaki – koto, vocals
Prabhu Edouard – tablas, percussion, vocals

Special Guest:
Hariprasad Chaurasia - bansuri flute (on track 2, 3 & 5)


Aufnahmedetails

Produced, recorded & mixed by Nguyên Lê at Louxor studios, Paris Barbès, April & May 2009
Mastered by Bruno Gruel, Elektra Mastering

Executive Producer: Siegfried Loch


Was die Frankfurter Allgemeine Zeitung nach Nguyên Lês Deutschlanddebüt 1993 schrieb, ist auch heute noch aktuell und lässt sich auf Saiyuki hören: „So wie er spielt kein anderer Mensch Gitarre!“ Denn bei dem in Paris lebenden Saitenkünstler vietnamesischer Abstammung tun sich jedesmal neue Welten auf. Lê versteht es, stets aufs Neue mit Klängen zu verblüffen. Das erstaunt umso mehr, weil er ohnehin einer der großen Klang-Entdecker in der Jazzwelt ist: einer, der sich auf imaginäre Reisen begibt, um neue Kombinationen von Tönen zu erforschen. Saiyuki ist ganz explizit eine Reise: und zwar eine von Ost nach West und West nach Ost in einem „Asien ohne Grenzen“, wie Nguyên Lê selbst formuliert. Im Trio mit der japanischen Koto-Spielerin Mieko Miyazaki und dem Tabla-Virtuosen Prabhu Edouard aus Indien beschreitet er auf seiner neuen ACT-CD eine musikalische Seidenstraße, die asiatische Welten miteinander verbindet.

Den Titel Saiyuki hat Nguyên Lê dem berühmten gleichnamigen Roman (deutsch: „Die Reise nach Westen“) entlehnt, den der chinesische Dichter Wu Cheng’en im 16. Jahrhundert schrieb und der von der Reise eines Mönchs zum „westlichen Himmel“, also ins heutige Indien, erzählt. Diese literarische Reise ist für den Gitarristen ein hoch spannender Ausgangspunkt zu eigenen Erkundungen. Vietnam, Indien, Japan: Die Herkunft der beteiligten Musiker ergibt ein magisches Dreieck, in dem sich Klänge in unterschiedlichsten Kombinationen aufeinander zu bewegen und ständig neue Ausprägungen finden. Eine funkelnde Begegnung von Identitäten. Und diese Identitäten sind allesamt doppelt geprägt. Wie Nguyên Lê selbst vietnamesische Klang-Tradition mit zeitgenössischem Jazz verbindet, in einem Gitarrenspiel, das mal ganz bluesig klingen kann und dann wieder das schneidende Filigran fernöstlicher Saiteninstrumente zu imitieren scheint, so haben auch seine Partner auf dieser CD einen Background, der sich stilistisch in mehrere Bereiche auffächert. Beide leben, wie Nguyên Lê, in Frankreich, sind also wie er musikalische Entdecker, die zugleich von innen und von außen kommen.

Die Koto-Spielerin und Sängerin Mieko Miyazaki ist an ihrem Instrument, der japanischen Zither, klassisch ausgebildet. Doch in einer zweiten Karriere ist sie auch Songschreiberin und Komponistin für Radio- und Fernseh-Sendungen. Mit dem Jazz hat sie unter anderem Erfahrungen durch das Quartett Koto2Evans gesammelt, das Stücke von Pianist Bill Evans auf die japanische Zither überträgt. Und natürlich früher schon mit Nguyên Lê auf Fragile Beauty (ACT 9451-2). Der aus Indien stammende Prabhu Edouard studierte in Kalkutta bei dem Tabla-Meister Shankar Gosh. Er gehört zu den Virtuosen an den kleinen, aber klangvollen indischen Percussion-Instrumenten. Die Tablas gehören zur Familie der Pauken, werden aber ganz subtil mit den Fingern gespielt, die auf den Fellen Tänze vollführen und ein Klangspektrum von gluckernden Tiefen bis zu metallisch nachhallenden Höhen entfalten. Prabhu Edouard hat auch mit Jazzmusikern wie David Liebman, Marc Ducret und Didier Malherbe zusammengearbeitet.

Diese drei Musiker - und der indische Meister Hariprasad Chaurasia an der Bansuriflöte als Gast – lassen auf Saiyuki ihren Klangphantasien freien Lauf. Es ergeben sich Stücke von enormer Vielfalt und überraschender Selbstverständlichkeit. Ob nun etwa die Komposition „Autumn Wind“ auf lyrische Art Weite schafft mit ganz fein modulierter Gitarre und zarter Flöte, oder ob ein rhythmisch vorwärtstreibendes Stück wie „Mina Zuki“ mit einer Country-Blues-Gitarre zu beginnen scheint, sich dann rockig zusammenballt und danach doch mit Dialogen von Flöte und Koto eindeutig asiatisch klingt - immer ist das Ergebnis organisch, als spielten Tabla, Koto und eine moderne E-Gitarre schon seit Ur-Zeiten in derselben Band.

Der Hörer kann sich von den Klängen davontragen lassen in faszinierende Landschaften. Über diesen Landschaften scheint manchmal eine flirrend bewegte Luft zu liegen, manchmal strahlen sie in der sonnigen Klarheit eines Morgens, und dann wieder haben sie etwas Rätselhaft-Verwunschenes. Immer jedoch Momente, die überraschen. Und ganz eigenen Witz, der der Zusammenführung von Welten Leichtigkeit verleiht und jedes unangemessene Pathos vermeiden lässt. Plötzlich brechen in feine Melodien E-Gitarren-Akzente ein - oder Sprechstimmen erläutern mittendrin den Titel eines Stücks, wodurch man unverhofft erfährt, dass „Sangam“ auf Englisch „joyful encounter“ bedeutet.

Eine freudvolle, fruchtbare Begegnung: Auch das könnte als Motto über den Aufnahmen stehen. Denn die schöne Lust am Spiel und am Erforschen der musikalischen Eigenheiten der jeweiligen Partner prägt Saiyuki. Die mitreißende Ost-West-Ost-Tour durch ein jazzig erschlossenes Asien hinterlässt eine ungeahnte Vielfalt von Eindrücken. Ganz egal, ob die Stücktitel von Speisen, von Gottheiten dieser oder jener asiatischen Sphäre oder einfach nur vom Reiz der Begegnung handeln: In Nguyên Lês asiatischem Welt-Jazz findet das alles unverkrampft zusammen.