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Huong Thanh, Nguyên Lê - ©ACT / Liliroze
Huong Thanh, Nguyên Lê - ©ACT / Liliroze
Nguyên Lê, Huong Thanh - ©ACT / Liliroze
Nguyên Lê, Huong Thanh - ©ACT / Liliroze

Produktinformationen

Besetzung

Huong Thanh - vocals
Nguyên Lê - electric & acoustic guitar, synthesizer, computer
Mieko Miyazaki - koto
Hao Nhiên Pham - monocorde (dàn bau), 16-strings zither (dàn tranh), sao, meo bamboo flutes
Nguyên Van-Hong - backing vocals
Paolo Fresu - trumpet, fluegelhorn
Stéphane Guillaume - soprano sax, flutes
Renaud Garcia-Fons - pizz & arco acoustic 5-string bass
Etienne Mbappé - fretless bass
Alex Tran - percussions
Francis Lassus - percussions
Illya Amar - bamboo balafon (trung)
Dominique Borker - piano


Aufnahmedetails

Recorded and mixed by Nguyên Lê at Studio Louxor, Paris Barbès, France, December 2006 - May 2007
Produced by Nguyên Lê


Drifting flowers over the water, wandering clouds in the wind. Deep in the night she awaits for her love. These themes, often found in Vietnamese poetry, are buddhist-inspired images of the world’s impermanence, of the fragility of our existence. Ephemeral yet always renewed. Thus the Vietnamese musical tradition is transfigured in Fragile Beauty by unexpected encounters (jazz harmonies, African rhythms, Japanese vividness), by new orchestration of ancient instruments (koto, trung or luth) and a true dimension of improvisation and interplay.

Nguyên Lê

Das Weltbürgertum ist im 21. Jahrhundert keine persönliche Haltung oder utopische Geistesströmung mehr, es ist die Realität der Großstädte. Wer heute durch die Straßen einer beliebigen Metropole schlendert, sieht, hört und spürt, dass das „globale Dorf“ kein Schlagwort mehr ist. Die sich daraus natürlich ergebende Begegnung und Durchdringung der Kulturen ist seit langem das künstlerische Generalthema der Sängerin Huong Thanh und des Gitarristen Nguyên Lê. Beide sind sie vietnamesischen Ursprungs, beide leben sie seit langem in Paris, und beide leben sie ihre „Identität als Kinder der Diaspora“ – wie es Lê einmal formulierte – aus der Verschmelzung westlicher und fernöstlicher Zivilisation.

Mit Fragile Beauty erscheint - nach Moon and Wind (ACT 9269-2), Dragonfly (ACT 9293-2) und Mangustao (ACT 9423-2) - bereits das vierte ACT-Album mit Huong Thanh als Interpretin und Nguyên Lê als ihrem Produzenten, Co-Komponisten, Arrangeur und Begleiter an der Gitarre. Wie immer ist der CD-Name sprechend. Der stete Fluss des Lebens, seine Flüchtigkeit und Zerbrechlichkeit sind zentrale Themen der buddhistischen Kultur. Die vietnamesische Poesie hat viele Bilder dafür gefunden, von auf dem Wasser treibenden Blüten bis zum Zug der Wolken oder Schwalben. Das Tandem Thanh/Lê schöpft aus diesem reichen Motiv-Fundus: vom Exzerpt des altehrwürdigen Nationalepos „The Pavillon of Crystallized Azure“ aus dem zehnten Jahrhundert über moderne Impressionen („Drifting on the Water“) bis zu mal melancholischen, mal fröhlichen Worksongs.

Die glockenhelle, für uns fremdartige und gerade deswegen immer wieder betörende Stimme von Huong Thanh - der Tochter eines der berühmtesten Sänger des Neuen Vietnamesischen Theaters (Cai Luong) - steht dabei für das traditionelle Element. Ihr schwebender Gesang hält sich an die Silbenbetonungen, Melodik und Skalen der vietnamesischen Musik. Trotzdem bleibt er offen für die überraschenden musikalischen Transformationen, die der Hendrix-Erbe und Jazz-Innovator Lê in Szene setzt, unter anderem mit seiner avantgardistische E-Gitarre. Als Bindeglied kann man in einigen Stücken die europäische Musiktradition erkennen, mediterran eingefärbt bei der sanften Trompete eines Paolo Fresu, dem singenden Kontrabass eines Renaud Garcia-Fons oder der jazzigen Harmonik des Klaviers von Dominique Borker. Für den Variationsreichtum von Fragile Beauty bestimmend ist aber nicht zuletzt die Fülle der Saiten- und Percussioninstrumente aus aller Welt, von der 16-saitigen Zither (dan tranh) und dem Bambus-Balafon Vietnams über die afrikanische Udu bis zu Talking Drums, Congas oder Cajon. Neue Akzente setzt diesmal auch die 13-saitige, mit drei Plektren zu spielende japanische Koto: Mit Mieko Miyazaki ist die international gefeierte junge Meisterin dieses seit dem 8. Jahrhundert gespielten Traditionsinstrument zu hören. Und natürlich setzt Lê selbst wieder die elektronische Klangwelt von Radiator, Syntheziser und Sampler so behutsam wie gezielt ein. „Eine der leitenden Ideen war es, die asiatischen Instrumente anders klingen zu lassen, und sie mit anderen Traditionen zu verbinden. Die afrikanische etwa hat mich seit "Ultramarine" schon immer inspiriert,“ sagt Lê.

Afrikanische Rhythmik und japanische Lebendigkeit, dazu westliche Melodik und die Harmonik des Jazz, das alles gehört zu dieser spannenden Reise, deren Ausgangspunkt und Ziel aber doch unverkennbar die vietnamesische Musik ist. Und die in einer Begegnung von Vergangenheit und Gegenwart mündet, der die Zukunft gehört.