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NDR Bigband
The Theatre Of Kurt Weill

The Theatre Of Kurt Weill
The Theatre Of Kurt Weill

Produktinformationen

Besetzung

NDR BIGBAND - directed by Colin Towns
Lennart Axelsson -Trumpets
Ingolf Burkhardt -Trumpets
Claus Stötter - Trumpets
Reiner Winterschladen - Trumpets
Joe Gallardo - Trombones
Jürgen Neudert - Trombones
Stefan Lottermann - Trombones
Rainer Müller - Trombones
Fiete Felsch - Reeds
Peter Bolte - Reeds
Christof Lauer - Reeds
Lutz Büchner - Reeds
Julian Argüelles -Reeds
Vladyslav Sendecki - Piano
Stephan Diez - Guitar
Lucas Lindholm - Bass
Wolfgang Haffner - Drums
Marcio Doctor - Percussion


Aufnahmedetails

Recorded live at Rolf-Liebermann-Studio, March 10, 2000
Mastered by Angelika Körber
Produced by Michael Plötz and Katja Zeidler for NDR Norddeutscher Rundfunk


Nach George Gershwin und Duke Ellington ehrt die NDR Bigband jetzt gemeinsam mit dem britischen Arrangeur Colin Towns einen weiteren Jahrhundert-Komponisten: Kurt Weill wäre am 2. März 100 Jahre alt geworden. Songs wie "Mack The Knife" ("Mackie Messer"), "Lost In The Stars" oder "Speak Low" haben 50 Jahre nach Weills Tod nichts von ihrer Qualität eingebüßt. Sie kursieren bis heute auch in zahllosen Variationen großer Jazz-Interpreten - von Louis Armstrong und Sonny Rollins bis Carla Bley und Charlie Haden.

Schon in den frühen 20er Jahren lehnte Kurt Weill die Trennung von Unterhaltungsmusik und sogenannter  "ernster" Musik strikt ab. In seinem Repertoire hatte ein Blues oder ein Tango den gleichen Stellenwert wie ein Violinkonzert. Besonders im Jazz sah Kurt Weill den "Rhythmus der Zeit" und nahm bewußt immer wieder Jazzelemente in seine Kompositionen auf. Weill hat es auch verstanden, das Publikum mit seiner klaren, knappen Musiksprache an anspruchsvolle Themen heranzuführen. Songs, die jeder auf der Straße nachpfeifen kann, verband er mit einem hohen künstlerischen und politischen Anspruch. In Bertolt Brecht fand Weill früh einen Gleichgesinnten, der wie er begierig alle Stileinflüsse aufsog, um aus ihnen etwas Neues zu schaffen. Ihre gemeinsame "Dreigroschenoper" wurde 1928 ein Welterfolg und revolutionierte das Musiktheater. Nach seiner Emigration faßte Kurt Weill Mitte der 30er am Broadway Fuß und galt dort schon bald - neben Gershwin - als "Vater der amerikanischen Oper". Auch in New York blieb Weill seinem Anspruch treu, eine "qualitative Gebrauchskunst" zu schaffen: eine Musik, die mehr sein will, als ein kulinarischer Genuß, die aber trotzdem sinnlich und nachvollziehbar bleibt.

Der Komponist, Arrangeur und Pianist Colin Towns hat im britischen Jazz für frischen Wind gesorgt. "Rätselhaft swingender Jazz", schrieb die Zeitung "The Guardian" staunend über seine Musik, und der "Daily Telegraph" schwärmte: "Er ist die hoffnungsvollste Bereicherung der Jazz-Szene". Towns rockte einst als Keyborder mit dem Deep Purple-Frontmann Ian Gillan und wurde später einer der gefragtesten Film- und Fernseh-Komponisten der Insel. Sein Credo lautet: "Musik soll nicht Gemütlichkeit ausstrahlen - sie muß Energie besitzen. Ich will die Dinge immer zum Äußersten treiben und das Publikum mitreißen."

Das gilt auch für die Kurt-Weill-Hommage, die Colin Towns mit der NDR Bigband aufführt. "Mack The Knife", der "Alabama Song", "My Ship" und "Surabaya Johnny" verschmelzen miteinander in bittersüßen Arrangements mit atemlosen Tempowechseln. Das 50-minütige Werk ist aber kein typisches Hit-Medley.

"Ich würde es eher mit einem Raum vergleichen, den Du betrittst", sagt Townes. "Dort hörst Du von allen Seiten die bekannten Stücke - manche nacheinander, andere sogar gleichzeitig. Es ist eine Reise in eine abenteuerliche Klangwelt: Da sind auf der einen Seite wunderschöne Melodien wie "Speak Low", und dann gibt es diese Geschichten von düsteren Typen, von lächelnden Mördern wie Mackie Messer - etwas, das auf die Menschen von damals durchaus gefährlich wirkte. Weills Musik ist sehr theatralisch, sie besitzt Schönheit und Finsternis. Diese beiden Seiten will ich wiedergeben. Zum Glück haben die Musiker der NDR-Bigband die gleiche Einstellung wie ich: Sie respektieren die Klassiker, sind aber immer auf der Suche nach etwas Neuem. Gemeinsam werden wir Kurt Weill würdigen, aber zugleich seiner Musik eine zeitgemäße Wendung geben, die das Publikum von heute versteht."

Der Blick über Grenzen und die Kunst, Komplexes populär zu gestalten - das verbindet Colin Towns mit dem Komponisten Kurt Weill. "Wenn meine Musik ein breites Publikum erreicht, dann spricht das nicht gegen, sondern für sie", hat Weill einmal gesagt. Towns lächelt und nickt.