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Wollny & Peirani by ACT_Joerg_Steinmetz_2016
Wollny & Peirani by ACT_Joerg_Steinmetz_2016
Wollny & Peirani 1 by ACT_Joerg_Steinmetz_2016
Wollny & Peirani 1 by ACT_Joerg_Steinmetz_2016

Produktinformationen

Besetzung

Michael Wollny / piano
Vincent Peirani / accordion & accordina


Aufnahmedetails

Recorded by Jean-Paul Gonnod at Studio Sequenza, Montreuil (Paris), May 4 & 5, 2016
Assisted by Morgane Charles & Gilles Quelquejeu

09 & 10 recorded by Adrian von Ripka live at Schloss Elmau, February 17, 2016

Mixed by Jean-Paul Gonnod
Mastered by Klaus Scheuermann

Produced by Siggi Loch with the artists

Cover art by Jorinde Voigt, Lacan-Studie (10), 2016, ACT Art Collection
with the kind permission of the artist / Johann König Galerie, Berlin


Recorded by Jean-Paul Gonnod at Studio Sequenza, Montreuil (Paris), May 4 & 5, 2016
Assisted by Morgane Charles & Gilles Quelquejeu
09 & 10 recorded by Adrian von Ripka live at Schloss Elmau, February 17, 2016
Mixed by Jean-Paul Gonnod

Vinyl mastering by Adrian von Ripka
Produced by Siggi Loch with the artists
Cover art by Jorinde Voigt, Lacan-Studie (10), 2016, ACT Art Collection
with the kind permission of the artist / Johann König Galerie, Berlin

Unvorhergesehenen Begegnungen haben oft weitreichende Folgen: Der deutsche Pianist Michael Wollny und der französische Akkordeonist Vincent Peirani lernten sich 2012 buchstäblich auf der Bühne kennen: bei der ACT20 Jubilee Night im Pariser Jazzclub „New Morning“. Viel mehr als die Hände geschüttelt hatten sich die beiden vor ihrem gemeinsamen Auftritt nicht. Aber wer den ergreifenden, spontanen Duo-Jam erlebt hat, wird ihn ebenso wenig vergessen wie die Musiker selbst. „Es war als ob wir schon ewig zusammengespielt hätten. Keine Notwendigkeit über die Musik zu reden. Wir brauchten uns gar nicht anschauen. Haben einfach gespielt und gemeinsam geatmet“, erzählt Peirani. Und Wollny schwärmt über seinen Kollegen: „Mit Vincent kannst du dich hemmungslos und frei durch die verschiedensten Stilistiken und Stimmungen bewegen. Man kann ihm irgendetwas hinschmeißen, es wird sofort aufgenommen, verwandelt und zurückgegeben. Wie Hochgeschwindigkeitstennis, bei dem die Bälle hin und her flitzen.“ „Am Tag nach unserem Auftritt im New Morning“, erzählt Wollny weiter, „hat Vincent mir eine Email geschickt: ,Anbei ein Mitschnitt von gestern. Hör Dir das mal an. Ich möchte gerne, dass Du auf meiner nächsten Platte mitspielst.“ Und so kam es auch: Wollny bildete mit Michel Benita das Trio für Peiranis ACT-Debüt „Thrill Box“: „Es ist die tastende Suche nach kontrapunktischer Schönheit und das ungemein lyrische Spiel, das die Herzen rührt und den Atem stocken lässt“, schrieb Die Welt über das Album.

Das erste Zusammentreffen von Wollny und Peirani markiert den Beginn einer in der Jazz-, wie überhaupt in der Musikwelt seltenen, deutsch-französischen Musik-Partnerschaft: Praktisch keinem deutschen Jazzer, außer vielleicht Wollnys großem Vorbild Joachim Kühn, gelang es bisher, in der fast schon hermetischen französischen Szene derart viel Gehör zu finden, wie Michael Wollny. Der Höhepunkt: Er wurde von der französischen Journalistenvereinigung Académie du Jazz zum europäischen Jazzmusiker des Jahres 2015 gewählt. Deren ganz eigene Stars wiederum, überschreiten kaum die Grenzen des Nachbarlandes – und auch im Falle von Vincent Peirani wäre es kein Wunder – schließlich hätte er mit gut 150 Konzerten pro Jahr alleine in Frankreich schon mehr als genug zu tun. Aber seine Musik trifft auch in Deutschland auf große Begeisterung. Mit Emile Parisien erhielt er den begehrten ECHO Jazz für das beste internationale Ensemble des Jahres für sein Album „Belle Époque“ und im TV widmeten ihm „Aspekte“ und das „heute journal“ Beiträge.

So ist es kein Wunder, dass es nach „Thrill Box“ drei Jahre bis zum nächsten gemeinsamen Album-Projekt gedauert hat. Nahezu im Gleichschritt entwickelten sich in dieser Zeit die Karrieren Wollnys und Peiranis: Beide haben einen kometenhaften Aufstieg hinter sich. Beide gelten heute europaweit als die führenden Jazzmusiker ihrer Generation. Was die beiden so besonders macht: Sie sprengen die Grenzen ihres Instrumentes, trachten stets nach neuen Klangfantasien und weisen damit dem zeitgenössischen europäischen Jazz neue Wege:

Wollny macht „süchtig“ (Die Welt) und aus jeder nur erdenklichen Musik ein Erlebnis“ (Süddeutsche Zeitung). „Keiner hat bisher die Klangwelten des Akkordeons so lebendig und warmherzig aufgefächert wie Vincent Peirani“ (Neue Züricher Zeitung). „Was der aus Nizza stammende Pariser dem Knopfakkordeon und der Akkordina entlockt, hat man so noch nicht gehört“ (Süddeutsche Zeitung).

Auf „Tandem“ legen Wollny und Peirani nun endlich wieder einmal gemeinsam eine musikalische Wegstrecke zurück und schöpfen dabei alle Klangmöglichkeiten ihrer Instrumente aus. „Vincents Spiel höre ich weniger als Akkordeon, sondern vielmehr als Orchester, das tausend Möglichkeiten birgt“, sagt Wollny denn auch. Peirani schätzt besonders die große Freiheit, die ihm dieses Duo ermöglicht. In seiner bekannt schelmischen Art sagt er: „Michael kann SMS schreiben und gleichzeitig Klavier spielen. Alles ist möglich mit ihm. Wohlmöglich gibt es bei ihm überhaupt keine Grenzen!“ Zur Probenphase auf Schloss Elmau brachten beide lange Listen von Lieblingsstücken oder Ideen mit und suchten spielerisch das Beste aus. „Wir wollten bewusst kein Konzeptalbum machen, sondern den ganz großen Bogen spannen, da wir ja beide Musik jeder Art lieben, hören und spielen. Manches war deshalb sorgfältig vorbereitet und arrangiert, manches auch sehr frei und für spontane Einfälle offen“, erzählt Wollny. Die Palette reicht vom geheimnisvollen, spannungsgeladenen Björk-Klassiker „Hunter“ über das ergreifende - von der BBC einmal zum „traurigsten Klassikstück aller Zeiten“ gewählte - „Adagio For Strings“ von Samuel Barber (dem der Cineast Wollny einst erstmals im Soundtrack von Oliver Stones „Platoon“ begegnete) bis zum hymnischen „Fourth of July“ des von Wollny sehr verehrten jungen Liedermachers Sufjan Stevens und der Uptempo-Nummer „Vignette“ von Gary Peacock, dem vielleicht einzigen „klassischen“ Jazzstück des Albums. Auch ein wunderschönes, von seinem typisch unterschwelligen Humor durchzogenes Stück („Song Yet Untitled“) des Schweizer Vokalartisten und neuen ACT-Künstler Andreas Schaerer findet sich auf „Tandem“.

Die zwei eigenen Stücke von Peirani betonen seine große Vorliebe für das Melodiöse, welches „Uniskate“ mustergültig vorexerziert, ebenso wie der von seinem Freund Tomás Gubitsch, einem argentinisch-stämmigen Pariser Komponisten, beigesteuerte Tango „Travesuras“. Letzteres Stück wie auch „Fourth of July“ wurde nicht im Pariser Studio aufgenommen, sondern stammt aus dem magischen Konzert auf Schloss Elmau im Februar 2016, das das Duo im Anschluss an die Proben zu „Tandem“ gegeben hat. Die beiden Originals von Wollny gehen eher in die expressionistischere, experimentellere Richtung. Doch egal ob Wollnys Flügel in Akkord-Wohlklang schwelgt, in wilde vertrackte Läufe ausbricht oder gedämpfte Perkussion-Klänge aus seinen Innereien beisteuert, ob Peiranis Akkordeon wuchtig-sinfonische Orgelflächen in den Raum stellt, in der allerhöchsten Lage spitze Kommentare spricht oder furiose, eigentlich unspielbare Klangkaskaden entrollt – alles bleibt ein gehaltvoller, ideal aufeinander eingehender Dialog. Ein Tandem zweier musikalischer Feingeister und Berserker zugleich, die sich hier als europäische Lichtgestalten der universalen Weltsprache „Jazz“ beweisen und von denen man noch viel erwarten darf.