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Lars Danielsson - ©ACT / Radu Draia
Lars Danielsson - ©ACT / Radu Draia
Lars Danielsson, Leszek Mozdzer - ©ACT / Nikodem Krajewski
Lars Danielsson, Leszek Mozdzer - ©ACT / Nikodem Krajewski

Produktinformationen

Besetzung

Lars Danielsson - double bass, cello, bass violin
Leszek Mozdzer - piano, celesta, harpsichord
Mathias Eick - trumpet
John Parricelli - guitar
Eric Harland - drums, percussion


Aufnahmedetails

Recorded by Lars Nilsson at Nilento Studio, Gothenburg, Sweden, April, August and October 2008
Additional recordings by Ake Linton and Simon Danielsson at Tia Dia Studio, Mölnlycke, Sweden
Mixed and mastered by Lars Nilsson at Nilento Studio, Gothenburg, Sweden, October 2008
Produced by Lars Danielsson
Executive Producer: Siegfried Loch


Der schwedische Bassist, Cellist, Komponist und Arrangeur Lars Danielsson ist in den vergangenen Jahren zu einer der wichtigsten Stimmen im europäischen Jazz gereift: An der Seite von internationalen Stars wie Michael Brecker und Randy Brecker, John Scofield oder Charles Lloyd, mit seinem eigenen Quartett, als Produzent von Caecilie Norby, Viktoria Tolstoy oder dem Dänischen Rundfunkorchester, insbesondere aber mit seinen drei ACT CDs unter eigenem Namen. Sie zeigen zugleich die unverwechselbare eigene Handschrift, die Danielsson gefunden hat, wie die erstaunliche Offenheit und Bandbreite seines Schaffens.

Auf seinem ACT-Debüt Libera Me (ACTSACD 9800-2) erweist sich Danielsson als Meister eines orchestralen Jazz, auf Mélange Bleu (ACT 9604-2) überrascht er mit einem modernen, behutsam eingesetzten elektronischen Rahmen für seine raumgreifenden, an Klangfarben so reichen Kompositionen, und bei Pasodoble (ACT 9458-2) schuf er im gleichberechtigten Duett mit dem polnischen Pianisten Leszek Moždžer ein atemberaubendes, zwischen Klassik und Jazz vermittelndes Manifest des Wohlklangs.

All das, was Danielsson dort entworfen hat, bildet auch die Basis seiner neuen CD Tarantella (ACT 9477-2). Einige Stücke und Passagen bauen als Duo-Passagen mit Moždžer – „dem für mich perfekten Pianisten“ (Danielsson) – direkt auf Pasodoble auf, so „Melody On Wood“ und „Fiojo“. Doch es ist geradezu verblüffend, wie konsequent Danielsson seine Arbeit dann weiterentwickelt, wie er seinen stimmungsvollen Melodien wieder neue Klangräume eröffnet und sie in neue Zusammenhänge stellt. „Ich bin vom Charakter meiner Musik ausgegangen und habe die Leute gesucht, die dafür am besten geeignet sind.“ Gefunden hat er den norwegischen Trompeter Mathias Eick, den britischen Gitarristen John Parricelli und den amerikanischen Schlagzeuger Eric Harland.

Diese internationale Besetzung erweist sich als ideal für die einerseits so klassisch anmutenden und fast streng einem Spannungsbogen folgenden, andererseits stets für Improvisation und musikalische Zwiesprache offen bleibenden Stücke. Wer Mathias Eick kennt, konnte damit rechnen, dass sich seine lyrische, von einem ausgeprägten Sinn für weite Räume durchdrungene Trompete perfekt einpasst. Überraschender ist schon, wie sich der eher für Fusion-Sound bekannte Parricelli, der unter anderem viel für Colin Towns und Django Bates arbeitete, hier auf ganz delikate Gitarrentöne einlässt. Und noch erstaunlicher ist, wie der junge Drummer Eric Harland – bislang an der Seite von Charles Lloyd, McCoy Tyner oder auch bei ACT auf zwei Rigmor Gustafsson Produktionen – die harte, energiegeladene US-Drummerschule hier zugunsten einer zurückgenommenen, melodisch innovativen Percussion eintauscht.

Auch bei der Produktion ging Lars Danielsson neue Wege. Erstmals lud er seine Begleiter zu sich nach Hause ein und spielte mehrere Stücke gleich dort mit ihnen ein: Das wie eine klassische Etüde klingende Cello-Solo „Traveller’s Wife“ etwa, das dann in „Traveller’s Defense“ mit der Band ausgebaut und variiert wird, entstand so: „Wir nahmen es sozusagen unabsichtlich beim Soundcheck auf. Und das war es. Ich habe es danach wohl zehnmal als reguläre Aufnahme wiederholt, aber der erste Take war einfach der beste. So eine Situation in deinen eigenen vier Wänden ist eben eine besondere: Du denkst nicht, sondern spielst einfach.“

Entgegen seiner Gewohnheit hat Danielsson hier auch mehrere Stücke auf der Gitarre komponiert. „Normalerweise komponiere ich am Klavier, meist morgens. Beim Improvisieren finde ich dann etwas und mache einen Song daraus, versuche eine bestimmte Stimmung zu erzeugen. Das ist üblicherweise relativ auskomponiert, wenn es ans Einspielen geht. Aber hier mit den Stücken von der Gitarre musste man natürlich ganz anders arbeiten. Viel freier.“ Dementsprechend mutet Tarantella noch vielschichtiger an als Danielssons bisherigen Projekte: Ob es schwebende Stimmungsbilder voller Bewegung sind (das Titelstück oder auch „Ballet“ und „Ballerina“ deuten es schon in den Namen an), an schwedische Kirchenmusik gemahnende, sphärische Hymnen („Introitus“ und „Postludium“) oder kammerjazzige, durchaus auch sehr moderne und schnelle Miniaturen („1000 Ways“) – Danielsson hat für alles einen faszinierenden eigenen Ausdruck gefunden, der seinen Rang als Komponist wie als Musiker festigen wird.