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Lars Danielsson, Tigran - ©ACT / Jan Soederstroem
Lars Danielsson, Tigran - ©ACT / Jan Soederstroem
Lars Danielsson, Tigran - ©ACT / Jan Soederstroem
Lars Danielsson, Tigran - ©ACT / Jan Soederstroem

Produktinformationen

Besetzung

Lars Danielsson / bass, cello, Wurlitzer piano on #8
Tigran / piano, vocals on #7
John Parricelli / guitar
Arve Henriksen / trumpet
Magnus Öström / drums & percussion


Aufnahmedetails

Produced by Lars Danielsson
Executive Producer: Siggi Loch

Recorded on June 13 - 17, 2011, mixed and mastered on September 5 - 7, 2011 at
Tia Dia Studios Mölnlycke, Sweden.
Engineer: Bo Savik. Piano tuned by Bengt Eriksson.
Additional recording by Simon Danielsson. Trumpet recorded by Arve Henriksen.

Cover art: “untitled 2010” by Martin Noël (1956 - 2010), by permission of Margarete Noël


Glückliche Fügungen haben oft außergewöhnliche Folgen: Es war ein Wagnis, ob der schwedische Star-Bassist Lars Danielsson und der armenische Pianist Tigran ein neues Traumduo im europäischen Jazz bilden würden. Erst eine Woche vor den geplanten Aufnahmesessions zu „Liberetto“ spielten die beiden erstmals ein gemeinsames Konzert. Und es funktionierte: Vom ersten Ton an hatten sich zwei musikalische Seelenverwandte gefunden - zufällig, aber dafür umso nachhaltiger. Danielsson erzählt: „Tigran versteht meine Musik genauso wie ich sie mir vorstelle und er komponiert Musik genauso, wie ich sie selbst schreiben würde. Sein „Svensk Låt“ zum Beispiel klingt schwedischer als meine Songs. Es war einfach fantastisch, mit ihm zusammen aufzunehmen.“

War es auf den Vorgängeralben „Tarantella“ und „Pasodoble“ noch der polnische Pianist Leszek Możdżer mit dem Danielsson großartig harmoniert, so ist es nun Tigran, mit dem er eine besondere Qualität des musikalischen Dialogs erreicht. Betrachtet man die bisherige Karriere des erst 24-jährigen Pianisten, dann erscheint diese glückhafte Verbindung logisch. Der zwischen New York und Frankreich pendelnde Musiker ist kein “nativer“ Jazzer, sondern erhielt, wie Danielsson, zunächst eine klassische Ausbildung. Bald brachen sich Entdeckungen und erste Vorlieben in Rock und Jazz ihre Bahn und so wurde Tigran ein stiloffener, auf Details und Färbungen versessener und stets einprägsamen Melodien vertrauender Klangforscher. Sein Weg zum Lied ist immer die Improvisation, hat er es dann aber gefunden, liebt er die feste Struktur - auch das verbindet ihn mit Lars Danielsson. Technik wie Ausdruck sind dabei so überwältigend, dass Tigran noch als Teenager den Thelonious-Monk- und den Martial Solal-Wettbewerb gewann.

Auf „Liberetto“ bleibt Lars Danielsson seiner musikalischen Sprache und Ausdrucksweise treu, diesen zumeist melancholischen, stets ungewöhnlich gebrochenen Melodien, diesem Aufspüren der musikalischen Räume, dieser stets immanenten Lyrik. Aber er geht auch einen Schritt weiter: „Liberetto“ ist kammerjazziger, dichter, interaktiver als Danielssons frühere Alben. Dies liegt sicher auch an den weiteren Musikern, die der Bassist ins Studio holte. Mit e.s.t.-Schlagzeuger Magnus Öström wollte der Bassist schon seit Jahren zusammenarbeiten, jetzt war es endlich soweit. Auch Öström hat sich zuletzt verstärkt der Erweiterung seiner musikalischen Bandbreite gewidmet und war deshalb der ideale Mann, um „seine Kreativität in meine Musik einzubringen und sie mit einer Fülle von Ideen in neue und interessante Richtungen zu lenken“, wie es Danielsson ausdrückt. Das kann dann auch einmal ganz deutlich in Richtung e.s.t. gehen, am deutlichsten erstaunlicherweise wieder bei Tigrans Komposition „Svensk Låt“, bei der Öström den dynamischen Sog des erfolgreichsten Trios der Jazz-Gegenwart aufleben lässt. Seit „Tarantella“ ein alter Bekannter ist der wie immer wundervoll zurückhaltend spielende britische Gitarrist John Parricelli. Und als Gastsolist kommt schließlich Arve Henriksen dazu, der hörbar in der großen Tradition lyrischer skandinavischer Trompeter steht.

Mit dieser Besetzung malt Danielsson seine wie immer ebenso schönen wie spannenden Bilder in neuen Farben, bereichert zum Beispiel um armenische Volksmusik („Hov arek sarer djan”), mal überbordend fröhlich (“Party On The Planet”), mal verhangen ätherisch (“Hymnen”). Ganz wie es ihm mit dem Titel „Liberetto“ vorschwebte: „Diese Wortneuschöpfung bezeichnet eine bestimmte Stimmung, in der ich meine Musik entwickeln möchte. Es schließt an meine früheren Alben an - rein sprachlich wie in dem Verweis zur klassischen Musik. Und betont die Freiheit, die ich meiner Musik immer vermitteln möchte und die sie zu einem offenen Buch macht.” Ein offenes Buch, an dem glückliche Fügungen wie Tigran mitschreiben durften.