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Knut Rössler - Johannes Vogt
Octagon

Johannes Vogt - ©ACT / Knut Roessler
Johannes Vogt - ©ACT / Knut Roessler
Johannes Vogt, Knut Roessler - ©ACT / Knut Roessler
Johannes Vogt, Knut Roessler - ©ACT / Knut Roessler

Produktinformationen

Besetzung

Knut Rössler / saxophone
Johannes Vogt / lute, synth. guitar
Ute Kreidler / vocals
Werner Goos / percussion, synth. guitar
Günter Lenz / bass


Aufnahmedetails

Produced by Knut Rössler, Johannes Vogt & Werner Goos

Recorded by Werner Goos at Castel del Monte, Apulien (Italy) in Mai 2009, and in Heidelberg, in January 2010
Mastered by Klaus Scheuermann, February 2010


Schon von weitem sichtbar erhebt sich in Apulien (Italien) auf einer Anhöhe ein eindrucksvoller und rätselhafter Bau: Das zu Zeiten Friedrich des II. (1194-1250) erbaute Castel del Monte - ein Oktogon. An diesem mystischen Ort trafen sich der Heidelberger Saxofonist Knut Rössler und der Lautist Johannes Vogt zusammen mit der klassischen Sängerin Ute Kreidler zu höchst ungewöhnlichen, nächtlichen Aufnahmesessions. Es ist die Magie und Stimmung dieses Ortes, die zu außergewöhnlichen musikalischen Begegnungen inspirierte. Octagon führt den Gedanken des ACT-Debüts Between The Times (ACT 9463-2) fort: „Jazz und Alte Musik zu meditativer Kammermusik voll klarer, fließender Melodien“ zu vereinen (Stereoplay).

Das symmetrische, achteckige Castel del Monte ist eine Metapher für das Kulturen und Zeiten umspannende Projekt. Es wird vermutet, dass das heutige UNESCO-Weltkulturerbe als ein Raum zum Austausch von Wissenschaft und Kunst konzipiert wurde. Eine nicht abwegige Vermutung, denn Friedrich II. gilt als ein mittelalterlicher Kosmopolit, als ein Universalgelehrter und Querdenker. Der Stauferkaiser versammelte einst Gelehrte und Künstler, sprich, die Avantgarde der damaligen Zeit an seinem sizilianische Hof, gründete in Neapel die erste Universität Italiens, er förderte die Dichtkunst, führte einen regen Gedankenaustausch mit der arabischen Welt und sprach zahlreiche Sprachen.

Der achteckige Innenhof des Castel del Monte lädt dazu ein, über ihn als einen von Friedrich II. angelegten Ort des Gedanken- und Ideenaustausches zwischen Vertretern der Künste und Wissenschaften sowie verschiedener Religionen zu phantasieren. Johannes Vogt und Knut Rössler tun dies auf musikalische Art: Auf Octagon interpretieren sie Melodien aus Friedrichs Zeit (und der ihn umgebenden christlichen, jüdischen und arabischen Kultur) in ihrer ganz eigenen Klangsprache. Die Musiker schöpfen aus dem Repertoire des wohl berühmtesten deutschen Minnesängers Walther von der Vogelweide, aus dem Liedgut der französischen Troubadours und Trouvères, aus höfischen Rittererzählungen oder Einflüssen aus der mittelalterlichen arabischen Musik. Das Ursprungsmaterial dieser Musik ist nur rudimentär und einstimmig überliefert. Das Fehlen der Notation eröffnete Rössler und Vogt Freiräume für eigene Klangvorstellungen, Harmonien, Rhythmen und Improvisationen. Auch die Instrumentierung ist nicht authentisch, selbst die hier verwendete Laute nicht. So sprechen die Interpretationen der historischen Werke klar die Sprache der zeitgenössischen Musik, lassen aber zugleich mit jeder Note den Respekt und die Faszination aller Beteiligten für das Originalmaterial und dessen Epoche erkennen.

Entstanden sind 16 kunstvolle, von einer fast meditativen Stimmung getragene Stücke in einem einzigartigen Spannungsfeld zwischen musikalischen Welten - zwischen Mittelalter und Neuzeit, zwischen Komposition und Improvisation, zwischen respektvollem Bewahren und behutsamem Erneuern. Zugleich ist Octagon eine musikalische Hommage an den Freigeist Friedrich II., dessen Gedankengut auch heute, im Stauferjahr 2010, aktueller und bedeutungsvoller nicht sein könnte.