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Jan Zehrfelds Panzerballett
Starke Stücke

Andreas Dombert, Heiko Jung, Jan Zehrfeld, Sebastian Lanser, Gregor Bürger - ©ACT / Florian Sepp
Andreas Dombert, Heiko Jung, Jan Zehrfeld, Sebastian Lanser, Gregor Bürger - ©ACT / Florian Sepp
Andreas Dombert, Heiko Jung, Jan Zehrfeld, Sebastian Lanser, Gregor Bürger - ©ACT / Florian Sepp
Andreas Dombert, Heiko Jung, Jan Zehrfeld, Sebastian Lanser, Gregor Bürger - ©ACT / Florian Sepp

Produktinformationen

Besetzung

Jan Zehrfeld - guitar
Andreas Dombert - guitar
Gregor Bürger - saxophone
Florian Schmidt - bass
Sebastian Lanser - drums

Special Guests:
Ulf Wakenius - guitar solo on # 5
Nguyên Lê - guitar solo on # 6
Peter O'Mara - guitar solo on # 1
Alexander v. Hagke - saxophone solo on # 4


Aufnahmedetails

Recorded, mixed and mastered by Jan Vacik at Dreamscape Studios, Munich, 2007
Additional guitar overdubs and editing by Jan Zehrfeld at ShuttleX-K1 Studio, Munich, 2007
Produced by Jan Zehrfeld


Der YOUNG GERMAN JAZZ bekommt Zuwachs
2005 startete ACT die Reihe Young German Jazz als Forum für die junge und äußerst vitale deutsche Szene. Gleich die erste Veröffentlichung mit dem Trio [em] Wollny / Kruse / Schaefer fand ein großes nationales und internationales Echo. Das Konzept von YGJ, junge deutsche Nachwuchsmusiker zu fördern und ihnen eine faire Chance im internationalen Vergleich zu geben, hat sich inzwischen durchgesetzt.
2008 lotet ACT weitere Grenzbereiche des Young German Jazz aus. Das Motto: Grenzüberschreitungen. Wie viele seiner jungen Kollegen, hat auch Chris Gall ein inniges Verhältnis zur Pop- & Rockmusik, die ihm als Inspirationsquelle mindestens genau so nahe liegt wie das Great American Song Book. Die Band Panzerballett wiederum zeigt schon in der Wahl ihres Namens eine Unverkrampftheit der eigenen Geschichte gegenüber, die sich dann auch in ihrem Umgang mit musikalischen Genres zeigt. Ohne Mühe werden hier scheinbar unüberwindliche Grenzen überschritten und nebenbei klingt die Kunstform Jazz auch für ein junges Publikum wieder spannend und sexy.
PANZERBALLETT – STARKE STÜCKE
Dabei klingt es auf Anhieb sicher tollkühn, ausgerechnet Jazz und Heavy Metal zusammenzuspannen. Doch der 30-jährige Jan Zehrfeld, kompositorisches Mastermind von Panzerballett, gehört eben zu der Generation der mit Macht ins Rampenlicht drängenden Musiker, die von mehr als nur einem Musikstil sozialisiert wurden. Schon als Jugendlichem war ihm harter Rock ebenso lieb wie die Welt des Jazz teuer. Dieses dualistische Prinzip spiegelt sich auch in seiner zunächst als Cellist begonnenen, dann auf die Gitarre konzentrierten Karriere: Zehrfeld studierte ganz brav in Graz, Helsinki und München Jazzgitarre, und absolvierte die Stationen eines talentierten Jazzers, von Peter Herbolzheimers Bundesjazzorchester bis zu Klaus Doldingers Passport, dem er gelegentlich frisches Blut zuführen durfte und darf. Als Pianist Martin Schmitt für eine Ray-Charles-Hommage erstmals in größerer Besetzung arbeitete, schrieb Zehrfeld die Arrangements dafür. Mit dem Hilliard Ensemble arbeitete er unlängst an Arvo-Pärt-Bearbeitungen.
Parallel dazu aber liebte er es als echter Stromgitarrist immer auch laut und hart. „Speedcore“ mit schreienden Riffs und düsteren Sounds im Stil von Slayer oder Exodus erzeugte er mit dem Münchner Quartett SLID. Ebenso gerne mochte er die Verbindung von Härte und Komplexität, die ihm in der kompositorisch stark von Zappa beinflussten Experimental-Metal-Band Schizofrantik oder dem Hardcore/Fusion/Elektronik-Studioprojekt LIND geboten wurde. Gleichzeitig suchte er auch nach der Möglichkeit improvisatorischer Freiheit, die – zu verschieden hohen Graden – in der Musik von Bands wie Eternal Quest (Funkjazz), bobbycar (Jazz/Drum&Bass), bastian (Indiejazz), Oscar Kraus & die Bedrohung (Crossover-Pop) oder Earforce (Funk/Fusion) ihren Platz hat. Die zumindest in Deutschland wenig verbreitete Kombination von Härte, Komplexität und Improvisation kulminiert nun seit bald vier Jahren in Panzerballett, dem Versuch, „die Geschmeidigkeit und das Schwebende des Balletts mit der Kraft und dem Krachen eines Panzers zu verbinden“, wie es Zehrfeld formuliert.
Um aber brachiale Riffs und treibende Grooves filigran mit komplexen Soli und krummer Rhythmik zu verzahnen, bedarf es an jeder Stelle einer gleichgesinnten und instrumental virtuosen Besetzung. Schon auf dem vor zwei Jahren erschienenen Debütalbum PANZERBALLETT ließ sich das gut an. Bassist Florian Schmidt hat zum Beispiel bei Pee Wee Ellis mit Tempo und Druck umzugehen gelernt. Saxophonist Gregor Bürger ist schon mit seiner Big-Band Earforce als genialer Grenzgänger auffällig geworden. Inzwischen sind mit Andreas Dombert ein zweiter Gitarrist und mit Sebastian Lanser – einem Studienfreund von Bürger am Linzer Konservatorium – ein Drummer dazugestoßen, die die Möglichkeiten noch deutlich erweitern und Panzerballett eine noch härtere Gangart bescheren.
Für das ACT-Debüt STARKE STÜCKE konzentrierte sich Zehrfeld auf Anregung von Siggi Loch erstmals nicht nur auf Eigenkompositionen, sondern wagte sich auch an Standards – aus Rock wie Jazz, versteht sich. So findet man Henry Mancinis „Pink Panther“ neben dem Deep-Purple-Kracher „Smoke On The Water“, dem AC/DC-Hit „Thunderstruck“ oder dem Welterfolg „Paranoid“ der Heavy-Metal-Band Black Sabbath. Auch Joe Zawinuls „Birdland“ wird von Zehrfeld ebenso kunstvoll zersägt und auf völlig eigene Art neu zusammengesetzt wie „Wind Of Change“ von den Scorpions. „Ich habe mich bei der Auswahl schnell für extrem Bekanntes entschieden“, sagt Zehrfeld. „Das umso gnadenloser zu verfremden, ist für uns wie für den Hörer am spannendsten.“
Nicht nur stilistisch, auch personell kommt es auf STARKE STÜCKE zu interessanten, schillernden, mitunter humorvollen Koppelungen. Auf der beeindruckenden Liste der Gäste, die dieser neuen Klangpalette ihre eigenen Farben beimischen, finden sich die Gitarristen Peter O’Mara, Nguyên Lê und Ulf Wakenius, der Saxophonist Alexander von Hagke, der Keyborder Jan Vacik und die Stimmen von Conny Kreitmeier – nicht nur als Rockröhre erfolgreich, sondern auch Trägerin des deutschen Kleinkunstpreises –, Andy Lind und Naomi Isaacs. Mehr denn je gilt für dieses Panzerballett die Devise: Headbangen mit Köpfchen.