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Jan Zehrfelds Panzerballett
Hart Genossen Von ABBA Bis Zappa

Jan Zehrfeld - ©ACT / Marc Dietenmeier
Jan Zehrfeld - ©ACT / Marc Dietenmeier
Martin Mayrhofer, Heiko Jung, Jan Zehrfeld, Alexander von Hagke, Sebastian Lanser - ©ACT / Marc Dietenmeier
Martin Mayrhofer, Heiko Jung, Jan Zehrfeld, Alexander von Hagke, Sebastian Lanser - ©ACT / Marc Dietenmeier

Produktinformationen

Besetzung

Jan Zehrfeld - guitar & background vocals
Martin Mayrhofer - guitar & vocals
Alexander von Hagke - tenor saxophone
Gregor Bürger - tenor & soprano saxophone
Heiko Jung - bass
Sebastian Lanser - drums

Special Guests:
Klaus Doldinger - saxophone solo on # 3
Okan Ersan - guitar solo on # 7
Conny Kreitmeier - vocals on # 4 & # 8
Ernst Ströer - percussion on # 4
Andy Lind - vocals & synth./sample programming on # 9
Bastian Jütte - background vocals on # 8
Ron van Lankeren - background vocals on # 4
Jan Vacik - keyboards on # 7 


Aufnahmedetails

Recorded, mixed and mastered by Jan Vacik at Dreamscape Studios, Munich, Nov. 2008 - Feb. 2009
Produced by Jan Zehrfeld
Executive Producer: Siegfried Loch


„Geschwinder als Metallica, kraftvoller als Motörhead und witziger als Rammstein“ schrieb DIE WELT über Jan Zehrfeld und sein Panzerballett. Mit vielen ähnlichen Vergleichen versuchten die Kritiker die bislang beispiellose Kombination von Jazz und Metal definitorisch in den Griff zu bekommen. Wenige deutsche Alben haben zuletzt national wie international für so viel Furore gesorgt wie das ACT-Debüt Starke Stücke (ACT 9661-2) von Panzerballett. Mit Hart Genossen von ABBA bis Zappa (ACT 9664-2) setzen die „Genre-Anarchos“ jetzt zum nächsten Streich an.

Der CD-Titel versteht sich als Wortspiel – und so werden auf dem neuen Album Jan Zehrfelds Artgenossen hart genossen: „Wir haben uns diesmal Bands und Interpreten vorgenommen, mit denen wir in Verbindung gebracht wurden, ohne dass wir bisher etwas von ihnen gespielt hätten“, sagt Zehrfeld. Dazu zählt Rammstein, eine seiner Lieblingsbands, mit dem Titel „Mein Teil“. Auch mit Frank Zappa und seinen „Mothers of Invention“ wurde Panzerballett immer wieder verglichen, wohl wegen des ironischen Untertons, der beiden zu eigen ist. Was Zehrfeld überrascht hat, war er doch kein Zappa-Kenner, im Gegensatz zu seinem Bandkollegen Martin Mayrhofer: „Also hat er die sechs Stücke unseres Zappa-Medleys ausgesucht, und ich habe sie dann entsprechend verarbeitet.“ Der nächste Vergleich, auf den Zehrfeld erst durch die Reaktionen auf Starke Stücke aufmerksam wurde, betrifft Klaus Doldingers Passport. Für die aberwitzige Version des Passport-Hits „Jadoo“ ließ es sich Doldinger selbst nicht nehmen, ein Saxophon-Solo beizusteuern.

Mit den Artgenossen in Hart Genossen sind aber auch Zehrfelds Mittänzer im Panzerballett gemeint, Gitarrist Martin Mayrhofer, die Saxophonisten Alexander Hagke und Gregor Bürger, Bassist Heiko Jung und Drummer Sebastian Lanser. „Ich habe bewusst auf Eigenkompositionen verzichtet und dafür mal meine Kollegen in den Vordergrund gestellt“, erläutert Zehrfeld. So erhielt Martin Mayrhofer mit dem schon vom Titel her programmatischen Stück „Bird Wild Web“ den Vortritt, ebenso der befreundete Schlagzeuger Andy Lind („Weary Eyes“), der schon bei Starke Stücke mit von der Partie war. Als Gast stieß der zyprische Gitarrist Okan Ersan dazu. Seine Komposition „The Mediterranean Breeze“ bildet die Schnittmenge zur dritten Gruppe der Artgenossen von Panzerballett: „Wir haben uns auch um Material mit besonders großem Kontrast zu unserem Stil bemüht“, erläutert der Bandleader. Ist es bei Ersan ein von ungeraden Metren durchzogener mediterraner Flair, der ein „Verkrassen“ herausfordert, so steht ABBAs „Gimme, Gimme, Gimme“ für die Kunst Jan Zehrfelds, auch noch den softesten Pop in seine Klangwelt hinüberzuziehen. Den denkbar weitesten Weg zu den krachenden Gitarrenbrettern, den treibenden Motivverdichtungen und -beschleunigungen sowie den frei improvisierenden Soli von Panzerballett hat definitiv Ralph Siegels „Ein bisschen Frieden“, unnachahmlich gesungen von Conny Kreitmeier. Überhaupt nimmt die Stimme auf Hart Genossen von ABBA bis Zappa einen besonderen Platz ein. Und so steht Kreitmeiers mal typisch souliges, mal stark an Nina Hagen („Mein Teil“) erinnerndes Organ neben einer sich von sphärischen Linien zu kreischenden Screams steigernden Stimme Andy Linds und den auf pathetischen Prog-Rock zurückgreifenden Vokalisen („Oh No“) von Martin Mayrhofer, vom unterschiedlichsten Einsatz eines Background-Chores ganz abgesehen.

Bei fast jedem Stück bleibt einem zwischendurch vor Staunen die Spucke weg: Wenn sich Rammsteins harter Marsch-Takt plötzlich mit südamerikanischen Rhythmen konfrontiert sieht; wenn das von dröhnenden Schlagzeugattacken und kernigen Gitarrenriffs „verkrasste“ „Jadoo“ ansatzlos von einer klassisch swingenden Bridge unterbrochen wird; oder wenn beim Refrain im ansonsten rasant beschleunigten „Gimme, Gimme, Gimme“ völlig überraschend eine hauchzarte Gitarre daherkommt – Panzerballett schaffen es in unnachahmlicher Meisterschaft eigentlich Nicht-Passendes passend zu machen. Ein erfreulicher (und beabsichtigter) Nebeneffekt ist die parodistische, mitunter schreiend komisch Note, die das gesamte Album durchzieht. Dass es, quasi als Ouvertüre, mit der Titelmusik zur unerreicht subversiven und komischen Erwachsenen-Zeichentrickserie ´The Simpsons“ beginnt, ist daher absolut logisch.

Fahren wir also erneut mit unseren Hörgewohnheiten genüsslich Achterbahn und warten ab, zu welchen Vergleichen diese Hart Genossen inspirieren.