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Helge Sunde - ©Hilde Arvola
Helge Sunde - ©Hilde Arvola
Helge Sunde - ©Hilde Arvola
Helge Sunde - ©Hilde Arvola

Produktinformationen

Besetzung

Norske Store Orkester conducted by Helge Sunde

Special Guest: Marilyn Mazur - percussion


Aufnahmedetails

Recorded by Jan Erik Kongshaug at Rainbow Studio, Oslo, Norway, February 10-13 and March 4, 2005
Mixed by Jan Erik Kongshaug and Helge Sunde
Produced by Helge Sunde
Executive producer of «Norske Store» is Anders Eriksson


The music of Helge Sunde requires musicians with great technical capacity and ability to sense their position in the musical landscape. Playing the music has been described as a hike in Sundes native western Norway: Even if you know the terrain and can reed the map, you actually have to climb a few peaks, jump over icy streams and pass through steep fjord valleys - without loosing contact with the rest of the hikers. The reward is a magnificent musical view and a new understanding of what a big band can be. The band Norske Store is the ensemble of the East Norway Jazz Centre, and the musicians are personally selected to work with innovation, production and performance of new Norwegian music for large jazz ensembles. Executive producer of «Norske Store» is Anders Eriksson.
Der Schwan, der Fisch und die Kunst des Verbergens:
DENADA, der ACT-Erstling des norwegischen Komponisten und Big-Band-Leiters Helge Sunde
Und wieder ein höchst erstaunlicher Big-Band-Leiter aus Norwegen: der 1965 geborene Posaunist und Komponist Helge Sunde. Nach seinem Landsmann und Kollegen Geir Lysne, der vor fünf Jahren die internationale Jazzwelt mit Big-Band-Klängen und Arrangements von ungewöhnlicher Kraftentfaltung und starker stilistischer Eigenständigkeit überraschte, taucht hier wieder ein großartiger Könner des Genres auf. Und auch bei Helge Sunde klingt die Big Band so, wie man sie normalerweise nicht kennt. Sunde ist selbst Mitglied in Geir Lysnes Listening Ensemble - wie auch einige seiner Musiker der vorliegenden Aufnahmen zu Lysnes Stamm gehören. Doch Sunde ist keinesfalls ein Nachahmer des - übrigens gleichaltrigen – Kollegen. Sondern er führt die große Jazzbesetzung wiederum in einen ganz eigenen Klang-Kosmos. Der ist unter anderem geprägt davon, dass Sunde auch in der E-Musik-Avantgarde als Komponist tätig ist – seine Jazz-Kompositionen sind ungemein raffiniert ausgearbeitet, verblüffen mit vielen kniffligen Details. Und dennoch ist die Musik auf DENADA (ACTSACD 9805-2) nie akademisch, sondern hochgradig sinnlich.
Helge Sunde zeichnet sich durch eine schier unglaubliche Vielseitigkeit aus. Bisher ist er noch mehr als Komponist denn als Instrumentalist in Erscheinung getreten. Für diverse Orchester – etwa das Norwegische Radio-Orchester, das Symphonieorchester von Stavanger und die Philharmoniker von Bergen -, aber auch das Norwegische National-Ballett und die Oslo Sinfonietta hat er Auftragswerke geschrieben. Doch hinzu kommen viele andere Aktivitäten: Als Arrangeur hat er unter anderem für Marilyn Mazur gearbeitet (die auf DENADA ebenfalls mitwirkt), des weiteren für Beady Belle und Caecilie Norby. Außerdem wirkt er als Dirigent sowie als Produzent für Pop- und Klassik-Veröffentlichungen. Er lehrt unter anderem an der Staatlichen Norwegischen Musikakademie Jazz, Posaune, Komposition und Arrangieren. Einen frühen Erfolg hatte er bereits 1990 mit Studienkollegen aus der Staatlichen Musikakademie: Sie bildeten ein Ensemble mit dem Namen Oslo Groove Company und gewannen den Spellemannspris, der als norwegischer Grammy gilt. Übrigens ist er auf DENADA solistisch als Posaunist, Trompeter, Tubist und Waldhorn-Spieler zu hören – auch das eine seltene Vielfalt der Rollen.
Gleich der Anfang der SACD fesselt durch eine Tonsprache von vibrierender Intensität und Differenziertheit. Bläserstimmen verzahnen sich in raffinierten Stimmführungen über einem treibenden Rhythmus. Und wie hier Holz, gestopftes hohes Blech und satte tiefe Bläserstimmen ineinander greifen, verblüfft mit ungemein vielfältigen Klangfarben und einer hochgradig feinen Dynamik: Virtuoser kann man mit laut und leise kaum umgehen. Eine Veröffentlichung auf SACD, also mit allerhöchster Klangqualität, liegt bei diesen Kompositionen und Arrangements auf der Hand: besonders lohnend für den Hörer.
Eine große Fähigkeit von Helge Sunde ist, wie man in allen Stücken feststellen kann, das Vereinen von Gegensätzen. Wie nicht nur das Laute und das Leise, sondern auch die wohlorganisierte Kräfte-Entfesselung und die lyrische Schönheit hier miteinander und nebeneinander existieren, ist ungewöhnlich. Sunde lässt bei allem Form- und Strukturbewusstsein auch seinen Solisten viel Raum, immer wieder Pianistin Olga Konkova, Gitarrist Jens Thoresen, den diversen Bläsern und nicht zuletzt Perkussionistin Marilyn Mazur, die etwa das Stück „Small Landscape“ wesentlich mitprägt. Kompositorische Strenge und jeweiliger individueller Ausdruck verbinden sich hier auf ganz hohem Niveau völlig organisch. Und auf manche von Sundes Stücken lässt sich ein Wort des französischen Barock-Komponisten Jean-Philippe Rameau anwenden, der sich zum Ziel machte, die „Kunst durch die Kunst selbst zu verbergen“: Sundes Kompositionen tragen ihre Komplexität nie zu Markte; sie tragen sie selbstverständlich in sich und lassen sie natürlich erscheinen. „Lesson III“ etwa basiert auf einer Übung in Zwölftonmusik, die Sunde einst im Studium zu absolvieren hatte: Ihm gelang es dabei, ein Jazzstück in g-Moll zu schreiben und trotzdem die strengen Zwölftonregeln zu befolgen. Auf einem vergilbten Papier fand Sunde die Komposition unlängst wieder, als er sein Studio aufräumte – und nahm sie auf: Musik, die nirgends papieren, sondern hochgradig sinnenhaft klingt.
Man spürt in jedem Stück die Lust am geistvollen Spiel mit Klang. Nicht zuletzt auch bei „Den Grimme“ (Das hässliche Entlein). Die Primaballerina Ingrid Lorentzen am Norwegischen Nationalballett brauchte ein neues Arrangement von Saint-Saëns’ „Schwan“, und Helge Sunde machte sich nach einem langen Probentag daran, es zu schreiben, während seine Kollegen Fisch für ihn kochten. Am nächsten Morgen lag ihnen das Stück bereits fertig vor. So kam der Schwan zu Jazz-Ehren, er blieb keineswegs ein hässliches Entlein, sondern entfaltet seine Schönheit hier mit ironisch unterfüttertem Pathos, das in Untertönen noch die prachtlose Vergangenheit ahnen lässt. Das Fisch-Mahl schadete ihm hörbar nicht. Sunde ist in all diesen Stücken ein virtuoser Handwerker und ein hochkreativer Kopf. Ein Hör-Abenteuer und zugleich ein schillerndes Vergnügen ist DENADA. Und ein schöner Beweis, dass es nicht "Nichts" ist, woher hier ein beeindruckend glanzvolles und einzigartiges Big-Band-Spiel kommt.