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Geir Lysne
Aurora Borealis - Nordic Lights

Aurora Borealis - Nordic Lights
Aurora Borealis - Nordic Lights

Produktinformationen

Besetzung

Geir Lysne Listening Ensemble, conducted by Geir Lysne :
Ketil V. Einarsen - flutes, piccolo flute
Morten Halle - alt, soprano saxophone
Klaus Graf - alto saxophone
Andi Maile - tenor saxophone
Fredrik Ø. Jensen - tenor saxophone
Bernhard Seland - baritone saxophone
Frank Brodahl - trumpet, flugelhorn
Marius Haltli - trumpet, flugelhorn
Eckhard Baur - trumpet, flugelhorn
Ole Jørn Myklebust - trumpet, flugelhorn
Helge Sunde – trombone
Christian Jaksjø – trombone
Jørgen Gjerde – trombone
Ketil Hovland - bass trombone
Jørn Øien – keyboards, Hallgrim Bratberg , guitar
Jan Olav Renvåg - double bass, electric bass, tuba
Knut Aalefjær - drums, percussion
Kenneth Ekornes - drums, percussion


Aufnahmedetails

Recorded live at "Haus der Festspiele" JazzFest Berlin, Germany on November 1, 2001
Soundengineer: Manfred Hock
Soundsupervisor: Wolfgang Hoff
Mixed and masterd by Jan Erik Kongshaug at Rainbow Studio, Oslo, Norway, January 2002
Produced by Geir Lysne for Act Music + Vision & Ulf Drechsel for SFB RADIOkultur Berlin


"Atemberaubend", die "größte Überraschung" des fünftägigen Programms, "eine Entdeckung, sehr eigen, sehr aufregend": Die Tages- und Fachpresse war sich einig wie sonst selten und schwärmte in höchsten Tönen über diese bis dato außerhalb ihrer Heimat so gut wie unbekannte Big Band aus Norwegen.

Beim traditionsreichen JazzFest Berlin, das 2001 unter der Leitung des schwedischen Posaunisten Nils Landgren einen erfolgreichen Neu-Aufbruch mit einem Skandinavien-Schwerpunkt feierte, prägte sich ein ziemlich sperriger Name ganz besonders ein: der des Geir Lysne Listening Ensembles. Einer der Gründe dafür: Die Musik des jungen 20-köpfigen Jazz-Orchesters um den Saxophonisten Geir Lysne ist genauso unorthodox und hintersinnig spielerisch wie dieser Name - allerdings mit dem entscheidenden Vorteil, dass sie besser im Ohr haften bleibt als der.

Nach einem Jahrhundert Jazz und etwa einem Dreiviertel-Jahrhundert Big-Band-Tradition bringt es diese Band fertig, völlig ungewohnt, ganz neu und frisch zu klingen, und zwar nicht nur im Vergleich zu den oft Evergreen-verhafteten amerikanischen Elefantengruppen, sondern auch zur viel eigenständigeren europäischen Linie. Die Besetzung - unter anderem mit zweimal Percussion, E-Bass, E-Gitarre, Klavier und drei Flöten - sorgt für eine völlig unalltägliche Klangfarben-Mischung.

Doch das allein macht noch nicht die Sensation aus, die hinter dieser Band steckt. Ihr Leader Geir Lysne schreibt hochkomplexe, dabei auch ungemein sinnliche Kompositionen, die bereits jetzt ein ausgeprägtes Eigenprofil entwickelt haben - und schöpft dabei auch virtuos das Potenzial seiner unterschiedlichen Solisten aus.

Kein stilistisches oder klangliches Vorbild drängt sich auf - aber man vermisst auch keines. Wie etwa Werner Burkhardt in der "Süddeutschen Zeitung" schrieb: Lysnes Big Band "kupfert nichts und nirgendwo ab, hat bei aller fetzenden Wucht etwas Sprödes, liebenswert Eigentbrötlerisches, macht einen nur manchmal etwas seekrank, wenn man der Versuchung erliegt, die Fünfer- und Siebener-Rhythmen mitzuzählen." Und Ulrich Olshausen lobte in der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" einen "Big-Band-Jazz einer umfassen neuen Sorte", gespielt "mit einer Präzision, die die enorme Kompliziertheit der Partituren von Lysne federnd leicht und luftig erscheinen lässt. Rhythmische Verwicklungen, liedhafte Themen, kontrapunktisch Ziseliertes, wüste Akkordbrocken und kleine freie Passagen fließen mit gewaltiger Dynamik zusammen".

Dass diese Big Band zu den interessantesten gehört, die mindestens Europa zu bieten hat, spricht sich seit dem Berliner Auftritt in Fachkreisen immer mehr herum. Sie führt bei höchstem technischen Niveau in einem Spiel von außerordentlicher Konturenschärfe in verblüffend vielfältige Klanglandschaften. Landschaften? Das oft strapazierte Bild stimmt hier genau: Wie eine Autofahrt in teils vertraute, teils unvertraute Gegenden, die aber immer in neuem Licht erscheinen, kann man Lysnes Stücke erleben.

Die vorliegende Suite, der Mitschnitt aus dem umjubelten Berliner Auftritt mit fünf ausladenden, immens kontrastreichen, aber in sich aufregend geschlossenen Stücken, einer Suite, die dem Nordlicht gewidmet ist, bietet ein Lausch-Abenteuer, an dem gewiss auch Leute Spaß finden können, die nicht von vorneherein zu den Big-Band-Fans gehören. Nicht "schneller, höher, weiter, kompakter" heißen die Ideale, die hier vertreten werden, sondern etwa: farbenreicher, unverbrauchter, überraschender. 

Big-Band-Sounds für Liebhaber von Klang-Abenteuern. Ein "Listening Ensemble" ist diese Big Band im Doppelsinn: eines, das selber noch Ohren hat; und eines, das beim Publikum die Lausch-Lust anspricht. Wie gesagt: "sehr eigen, sehr aufregend". Und auch auf Konserve unbedingt entdeckenswert.