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Frank Woeste
Pocket Rhapsody

Produktinformationen

Besetzung

Frank Woeste / piano, Fender Rhodes, organ & bass synth
Ben Monder / guitar
Justin Brown / drums

Guests:
Ibrahim Maalouf / trumpet on 02 & 08
Youn Sun Nah / vocals on 03
Sarah Nemtanu / violin
Gregoire Korniluk / cello


Aufnahmedetails

Composed, arranged & produced by Frank Woeste
Lyrics on 03 by Youn Sun Nah
Recorded by Frank Woeste at Studio Libretto, January 2014
Additional Recording by Peter Karl at Peter Karl Studio,
New York, March 2014
Editing and Mixing by Julien Carton
and Frank Woeste at Sweetspot Studio
Mastering by Raphael Jonin and Maël Vallin
Cover art by Terry Winters, „Clocks and Clouds“ (7),
2012 / ACT Art Collection


"Wenn ich spiele, habe ich manchmal das Gefühl, ich bräuchte eine dritte Hand!" Diese steht für Frank Woestes Wunsch zu arrangieren und orchestrieren. Hört man „Pocket Rhapsody“, begreift man schnell, was er meint: Woeste ist nicht nur ein hervorragender Pianist und begnadeter Fender Rhodes-Spieler, sondern er versteht sein Schaffen allumfassend: als jemand, der seine Spuren gleichermaßen im Spiel, wie auf dem Notenblatt hinterlassen will. Auf seinem ACT-Debüt hört man nicht nur einen vor Ideen sprudelnden Instrumentalisten, sondern auch einen vollendeten Komponisten und gewieften Arrangeur, der sein Trio mit dem Gitarristen Ben Monder und dem Schlagzeuger Justin Brown orchestral einzusetzen weiß. Die Intimität von Kammermusik paart sich mit dem Drive eines Jazztrios und der Wucht einer Bigband - „Pocket Rhapsody“ trägt seinen Titel zu Recht.

Frank Woestes außergewöhnliche Qualitäten sind Kennern der französischen Szene schon lange bekannt. Er ist einer der wenigen deutschen Jazzmusiker, die es in Frankreich zu Rang und Namen gebracht haben: Der heute 39-Jährige wurde und wird von Publikum wie Kritik in den Bands der französischen Trompetenstars Ibrahim Maalouf und Mederic Collignon bestaunt, oder an der Seite von Stephane Belmondo, Michel Portal, Sylvain Luc oder Flavio Boltro, und auch schon früh bei Youn Sun Nah, in deren erster Band Woeste der Pianist war. Aus dem Umfeld der Sängerin geriet er schließlich ins Blickfeld von Siggi Loch und stieß somit zur ACT Family. Hierzulande ist Woeste bis jetzt nur Insidern ein Begriff – dabei wurde er vom WDR unlängst als „einen der besten deutschen Jazzpianisten“ geadelt.

Woeste kam 1976 in Hannover als Sohn einer sehr musikalischen Familie zur Welt. „Jeder spielte ein Instrument, wir machten alle Arten von Musik zusammen, von Kammermusik bis zu Jazzstandards. Und ich probierte alle denkbaren Instrumente aus: Schlagzeug, Klarinette, Flöte, Akkordeon… Letztendlich bin ich dann beim Klavier hängengeblieben“, erinnert er sich.

Als Austauschschüler in den USA verfestigte sich sein Interesse am Jazz, noch vor dem Abitur wurde er Jungstudent an der Hochschule für Künste in Bremen. Er spielte mit Bands der lokalen Szene, bald auch im Landesjugendjazzorchester Niedersachsen und bis 1999 im BundesJazzorchester (BuJazzo). Schon zwei Jahre zuvor allerdings, 1997, war er zum Studium ans Conservatoire National Supérieur nach Paris gegangen - wo er bis heute geblieben ist und musikalisch wie privat sein Glück fand.

Woestes einzigartiger Stil ist also vermutlich Ausdruck der Erfahrung verschiedener Kulturen - einschließlich der arabischen und asiatischen, die er auf Tourneen für Cultures Frances wie für das Goetheinstitut kennenlernt. So verbinden sich bei ihm die Ideen der französischen „folklore imaginaire“ mit klassischen Kompositionsstrukturen, Drum & Bass, funkigen Synkopen, klassischem amerikanischem Improvisationsjazz oder elektronischer Avantgarde auf „Pocket Rhapsody“ zu seinem Meisterwerk: Ein Regenbogen an Klangfarben entfaltet sich da, ein mächtiger Chor aus Sounds, dirigiert von jemandem, der genau um die charakteristischen Einsatz- und Verbindungsmöglichkeiten von akustischen wie elektronischen Instrumenten weiß. Was das vorwärtsdrängende, von Progressive-Rock-Emphase begleitete „Buzz Addict“ ebenso beweist wie das von Ben Monders E-Gitarre dominierte ruhige „Interlude“ oder die klassische, mit Streichern garnierte Ballade „Melancholia“, am besten aber vielleicht der Titeltrack, in dem nahezu alle genannten
Elemente zueinanderfinden, in einer furiosen Steigerung kulminieren und in Stille zurückfallen.

Auch prominente Weggefährten geben Woeste als Gäste ihr Geleit: Youn Sun Nah singt „The Star Gazer“ mit gewohnt berückender Emotionalität, und Ibrahim Maalouf steuert beim funkelnden „Moving Light“ und beim wie heiße Luft über dem Wüstensand flirrenden „Nouakchott“ seine unvergleichlich expressiven, orientalisch gefärbten Trompetenlinien bei. Es ist also höchste Zeit, mit „Pocket Rhapsody“ den „verlorenen Sohn“ Frank Woeste hierzulande wiederzuentdecken.