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Jaded Angels
Jaded Angels

Produktinformationen

Besetzung

Eric Watson - piano
Peter Herbert - double bass
Christophe Marguet - drums


Aufnahmedetails

Recorded on March 19,20 and 21 - 2006 at Studio La Fonderie in Malakoff, France
Recording engineer: Philippe Teissier du Cros
Mixed at Studio Boxson in Paris, France by Philippe Teissier du Cros
Produced by Eric Watson


In den einschlägigen Jazz-Lexika wie dem neuen Rough Guide-Jazz („Der ultimative Führer zum Jazz“) sucht man seinen Namen vergeblich. In seiner Wahlheimat Frankreich, wo Eric Watson seit 1978 lebt und für seine Verdienste um den Jazz (u.a. auch als Kurator des Festivals La Villette und als Jazzpädagoge) bereits hohe Auszeichnungen wie den ‚Chevalier des Arts et des Lettres’ verliehen bekam, ist das anders. „Das Publikum in Europa hat mich immer sehr inspiriert. Die Deutschen kennen sich sehr gut aus und haben keine Angst vor neuer Musik. Die Franzosen haben allgemein einen unglaublichen Durst auf Kultur. Ich habe mich hier immer sehr wohl gefühlt.“ Wie sein berühmter Vorgänger Charles Ives mag sich der Jazzpianist (und Ives-Interpret!) einstweilen damit trösten, dass man dessen Meisterwerke auch erst dreißig Jahre nach der Entstehung entdeckte.

Trotz der vielen Jahre in Paris blieb seine Musik immer stark in der amerikanischen Tradition verwurzelt. Die Neugier und der Mut zum Risiko charakterisierten alle von Watsons „Reisen ums Klavier“: Polytonalität, Cluster, ungewöhnliche Rhythmen und komplexer Themenaufbau. Nahezu alle wichtigen Innovatoren des Jazzpianos hinterließen Spuren in seinem Stil: Bill Evans, Thelonious Monk, Lennie Tristano, Mal Waldron, Elmo Hope, Herbie Nichols, McCoy Tyner, Paul Bley, Cecil Taylor, Don Pullen u.a. „Ich hatte nie viel Geduld für politisch korrekte Klavierspieler im Jazz“, sagt er lachend.

Nach dem Studium am Oberlin-Konservatorium entzog sich Eric Watson dem obligatorischen Parcours des Sidemans in New Yorker Jazzclubs und ging nach Paris. „Auf keinen Fall wollte ich Klavier an Orten spielen, wo Leute essen. Ich kam direkt vom Konservatorium, mit einer Dance-Company, und fühlte mich völlig unvorbelastet.“ 1982 entstand ein Trioalbum mit Paul Motian und Ed Schuller („Conspiracy“), bald darauf zwei starke Soloalben. Im selben Jahr begann die lange und fruchtbare Zusammenarbeit mit dem Bassisten John Lindberg - ein Spiel ohne Grenzen, zu dem sich auch der Saxofonist Steve Lacy gesellte. „Lacy war sehr wichtig für meine Entwicklung, er hat mich mit meinen Schwächen konfrontiert und mich Dinge gelehrt, von denen ich vorher keine Ahnung hatte. Ich lernte viel von ihm über Melodien und ich glaube, vieles kam aus seiner Zeit mit Monk. Steve lehrte mich die Bedeutung sehr einfacher Melodien als Ressource fürs Improvisieren. Er fand immer, es gebe zu viele Akkorde in den meisten Jazzstücken.“ Aus einem bahnbrechenden Trio mit Mark Dresser und Ed Thigpen („Silent Hearts“, 1998) erwuchs die explosive Musik des leider kurzlebigen "Full Metal Quartets" (1999/2000, mit dem Saxofonisten Bennie Wallace) und für das Album Road Movies (2003, ACT 9429-2) mit Christof Lauer am Tenorsaxofon.

Watson liebt das Spiel mit komplexen Formen (eines seiner Themen, „Wear and Tear“, basiert z.B. auf einer ABCDCBA-Struktur!). Dass er auch ein grandioser Balladenspieler ist, zeigt eindrucksvoll das aktuelle Trioalbum Jaded Angels. Aus dem Mittelteil ragen die großen Porträts „Ice Lady“ und „Consolation“ - wie wuchtige Felsmassive in einer weiten Landschaft. Die Klangqualität des Albums ist bestechend und gibt den oft zitierten „kristallinen Sound“ des Pianisten optimal wieder. Das neue Trio kann als ein besonderer Glücksfall bezeichnet werden. „Ich mag Spieler, die ständig über sich selbst hinauswachsen und ihre Grenzen erweitern. Es ist nicht leicht, sich in meine Musik einzuarbeiten, deshalb lege ich besonderen Wert auf eine langfristige Zusammenarbeit. Die Spieler sagen mir, es bedeute eine besondere Herausforderung für sie. Man benötige dafür die Konzentration eines klassischen Musikers und gleichzeitig die totale Freiheit, die rückhaltlose Hingabe eines Jazzmusikers.“

Der seit 2003 in Paris lebende Bassist Peter Herbert ist auf über achtzig Alben zu hören: mit dem Vienna Art Orchestra, Paul Simon, Marc Copland, Wolfgang Muthspiel, Tony Coe, Chris Speed, Hadouk 3, Mat Maneri, Kenny Wollesen, Franz Koglmann, Claudio Puntin, Christine Tobin, David Tronzo, Lucas Niggli u.v.a.

Eine fünfjährige Zusammenarbeit verbindet Watson mit Christophe Marguet, der zu den gefragtesten Schlagzeugern in Frankreich zählt (u.a. mit Claude Barthélemy, Henri Texier, François Corneloup, Sylvain Kassap). Marguet hat sich auch als Bandleader und origineller Komponist mit eigenen Trio- und Sextett-Formationen einen Namen gemacht.

Jazz ist eine sehr offene Musik, und die Leute, die ihn spielen, erfinden ihn ständig immer wieder neu. Egal was passiert, sie werden weiter diese Musik machen. Ein echter Jazzmusiker lässt sich nicht unterkriegen.“