Zurück zu Alben Details

Danilo Rea
Piano Works X: Danilo Rea At Schloss Elmau "A Tribute To Fabrizio De André"

Danilo Rea - ©Marcello Di Leonardo
Danilo Rea - ©Marcello Di Leonardo
Danilo Rea - ©Andrea Feliziani
Danilo Rea - ©Andrea Feliziani

Produktinformationen

Besetzung

Danilo Rea / piano


Aufnahmedetails

Recorded January 28 & 29, 2010 at Schloss Elmau by Adrian von Ripka
Mastered by Adrian von Ripka
Produced by Siggi Loch

Cover art “AYA” 74 by Annelies Strba, 2005, by permission of the artist


Esbjörn Svensson, Jan Lundgren, Ramon Valle, Kevin Hays, Don Friedman, Richie Beirach, Vijay Iyer, Joachim Kühn, Michael Wollny, jüngst Vladyslav Sendecki, und demnächst Yaron Herman – die Liste der Jazz-Pianisten bei ACT ist eindrucksvoll. In diese exklusive Riege stößt nun einer der besten italienischen Jazzer dazu, neben Stefano Bollani und Enrico Pieranunzi wohl der wichtigste seines Fachs, wie unlängst auch der amerikanische Jazztimes-Kritiker Thomas Conrad befand: der römische Pianist Danilo Rea. Seit er 1975 im „Trio di Roma“ mit dem Bassisten Enzo Pietropaoli und dem Schlagzeuger Roberto Gatto debütierte – mit beiden arbeitet er bis heute in verschiedenen Formationen zusammen -, hat er sich international etabliert. Auch wenn er nur drei Mal in den USA auftrat, in Europa spielte er an der Seite vieler US-Stars, von Chet Baker, Lee Konitz, Steve Grossman, und Michael Brecker bis zu Billy Cobham, Gato Barbieri, Joe Lovano, Kenny Wheeler oder John Scofield.

Hört man ihn, merkt man schnell, was Rea dafür prädestiniert. Zum einen ist es seine Vielseitigkeit: Bevor er sich dem Jazz zuwandte, absolvierte Rea am Konservatorium Santa Cecilia in Rom ein klassisches Klavierstudium. Ebenfalls interessierte er sich seinerzeit sehr für den Progressive Rock. Zum anderen ist es Reas improvisatorische Phantasie: Schon des öfteren wurde er mit Keith Jarrett verglichen, wegen seiner Vorliebe, Solo-Suiten aus dem Moment heraus und für den Augenblick zu erschaffen, wegen seines Zugriffs auf bestehende Musik und nicht zuletzt wegen seiner alchimistischen Fähigkeit, diese Vorlagen in einen eigenen Stil zu überführen.

Im Gegensatz zu Jarrett greift Rea allerdings weniger auf die Songs des „Great American Songbooks“ zurück als vielmehr auf die eigene italienische Musiktradition, von der Klassik über Ennio Morricone bis zum Italo-Pop. Kein Wunder also, dass Rea heute in seiner Heimat als der große Lyriker unter den Jazzern gilt, was er zuletzt 2007 mit seinen Interpretationen von Opernmelodien auf der Solo-CD „Lirico“ untermauerte. Ebenso naheliegend, dass Rea parallel zum Jazz stets auch im italienischen Pop aktiv war, als Begleiter von Cantautori, also Liedermachern und Sängern wie Claudio Baglioni, Domenico Modugno, Gianni Morandi, Pino Daniele oder Mina.

All diese Qualitäten finden sich nun auf Reas ACT-Debüt, dem zehnten Album der „Piano Works“-Reihe, gebündelt wieder. Zugleich führt Rea damit zwei ACT-Traditionen fort. Einmal ist das der titelgebende Entstehungsort: Schon für viele ACT-Künstler war das unvergleichlich inmitten des Klaistals gelegene Luxusrefugium Schloss Elmau ein bevorzugter Ort der Inspiration. Esbjörn Svensson nannte die Pianisten-Hochburg sein „favorite hideaway“, Nils Landgren feierte dort ebenso musikalische Sternstunden wie Michael Wollny und Joachim Kühn („Live At Schloss Elmau“, ACT 9758-2) oder zuletzt Vladyslav Sendecki („Solo Piano at Schloss Elmau“, ACT 9485-2).

Ein Faible auffällig vieler ACT-Musiker ist außerdem die Hommage an andere Größen – ob sich nun Rigmor Gustafsson mit Michel Legrand und Dionne Warwick beschäftigte, das radio.string.quartet.vienna mit John McLaughlins Mahavishnu Orchestra, Nguyên Lê mit Jimi Hendrix oder Oddjob mit Clint Eastwood. Danilo Reas auf Schloss Elmau aufgenommenes Soloalbum führt den Untertitel „A Tribute to Fabrizio De André“. Hierzulande noch weitgehend unbekannt war De André, von seinen Fans und Freunden „Faber“ genannt, bis zu seinem frühen Tod 1999 einer der bekanntesten Cantautore Italiens, berühmt für seine anspruchsvollen, oft Partei für die Schwachen ergreifenden Texte, die inzwischen sogar Eingang in die Schulbücher gefunden haben. Ihrer konkreten Wortbedeutung entkleidet ergeben Meisterwerke wie die frühen Hits „La Canzone di Marinella“ (von 1963) oder „Il Pescatore“ die ideale Vorlage für Reas Gestaltungskraft.

Ob als rasende, fast klassische Etüde wie beim eröffnenden „Bocca di Rosa“, als chromatisch schillernde Ballade („Oona“, gemischt mit „Caro Amore“), als swingend synkopierter Blues („La Ballata Dell’Amore Cieco“), schwelgerische Melancholie („La Stagione del tuo Amore“) oder als Freejazz-Impression („Girotondo“) – stets gelingt Danilo Rea eine vor Wohlklang wie vor technischer Brillanz berstende Verbeugung vor De Andrés Melodien. Immer getreu dem Motto, das Rea von seiner klassischen Lehrerin Lilliana Vallazza lernte: „Sie sagte immer zu mir, was du auch spielst, denke an den Klang. Wenn du eine Taste drückst, mach‘ es profund.“ Wie profund Rea dies Note für Note beherrscht, davon gibt seine Soloeinspielung ein großartiges Zeugnis ab. Und ermöglicht überdies die lange überfällige Gelegenheit, zwei der wichtigsten italienischen Musiker auf einen Streich kennenzulernen: Danilo Rea und Fabrizio De André.